Der optimale Laufstil – Gibt es den überhaupt?

Liebe Leser,

Was ist eure Meinung zum Thema Laufstil? Und: habt ihr schon einmal mit anderen Läufern darüber diskutiert?

Also ich persönlich finde diese Thematik hochinteressant! Warum? Weil uns, so die Theorie, ein optimaler Laufstil erlaubt, schneller zu laufen bzw. uns bei derselben Geschwindigkeit weniger anzustrengen.

Die meisten Softwares verschiedener GPS Laufuhren bieten die Rubrik “Laufeffizienz” an, wo man sich darüber informieren kann, wie ökonomisch man unterwegs ist. Meist ist es dafür allerdings erforderlich, mit Brustgurt und nicht nur mit der Herzfrequenzmessung am Handgelenk zu trainieren. Die Laufuhren und Softwares werden immer besser darin, den Bewegungsablauf zu analysieren: Wie hoch ist die Trittfrequenz, wie ist die Armbewegung, wie die Geschwindigkeit? Und vor allem: Bei welcher Trittfrequenz, bei welcher Schrittlänge, läuft der Läufer X in der Geschwindigkeit Y mit der niedrigsten Herzfrequenz (will heißen: am effizientesten)?

Gleich vorweg: Ich bin kein Profi, kein Profisportler, sicherlich kein Fachmann was das Kapitel Laufökonomie betrifft und schon gar kein Physiker. Mit Biomechanik kenne ich mich ein bisschen aus (durch die Fortbildungen i.R. des Sportmedizindiploms der Ärztekammer, oder die Lehrveranstaltungen aus dem Medizinstudium). Weiters kann man einiges aus wissenschaftlichen Journalen oder auch aus dem Internet dazu recherchieren. Dennoch: jeder soll sich bitte seine eigene Meinung bilden.

Wenn ich von Laufanfängern zum Thema Laufstil befragt werden, dann gebe ich zu bedenken, dass für jeden ein etwas anderer Bewegungsablauf ökonomisch und gelenksschonend ist. Es kommt auf die Stellung des Beckens und der Knie an. Es kommt darauf an, ob man den Fuß tendenziell eher über-proniert (d.h. mit der Fußschaufel etwas zu stark nach außen kippt), oder im Gegenteil die Fußsohle beim Aufsetzen leicht nach innen dreht (“supiniert”).

Dementsprechend sollten auch die Laufschuhe angepasst werden.

Ich würde beim Durchführen von Laufbandanalysen in Sportfachgeschäften darauf achten, dass die Person, welche die “Analyse” durchführt eventuell selbst Läufer ist, oder sich zumindest halbwegs mit der Thematik auskennt.

Eigentlich rate ich von solchen professionell anmutenden Analysen eher ab. Wie soll bitteschön der Verkäufer beim Gigasport, der selber am liebsten Squash spielt, nach wenigen Sekunden in denen der Kunde auf dem Laufband läuft wissen, welcher Laufschuh optimal ist? Ja klar, Pronation und Supination im Sprunggelenk kann man bei der Aufnahme des Läufest von hinten ganz gut beurteilen. Aber was ist mit der Sprengung, der Dämpfung, dem Gewicht des Schuhs, der Stabilisierung?

Ich finde, man sollte lieber über viele Monate selbst ausprobieren, welcher Schuh am besten passt, und welcher Laufstil für einen am ökonomischsten ist. Sicher, es ist finanziell nicht möglich sich erstmal x Paare an Laufschuhen zuzulegen und dann zu testen. Aber gerade als Anfänger kann man mit zwei Paaren gängiger Modelle, vorzugsweise mit geringer Sprengung und mittlerer Dämpfung, nicht viel falsch machen, finde ich. Dann merkt man eh schnell, welcher Schuh bequemer ist und mit welchem man mehr Kilometer abspulen kann, ohne Gelenksschmerzen zu bekommen.

Das nächste Thema ist: Ferse oder Vorfuß? Ich würde sagen: Mittel- bis Vorfuß. Aber wie gesagt, ich bin kein Experte. Es gibt sicher einige “Fersen-Läufer”, die damit super zurecht kommen. Mein Argument für den Vorfuß: Der Mensch ist schon immer gelaufen. Und früher gab es … richtig, keine Schuhe. Und wie läuft man barfuß? 99% laufen barfuß auf dem Vorfuß, weil es weh tut, auf der Ferse aufzusetzen. Das wird erst durch die gepolsterten Laufschuhe möglich gemacht. Ich bin daher ein Fan des Vorfußlaufs, oder zumindest kein Befürworter des extremen Aufsetzens auf der Ferse.

In puncto Trittfrequenz: Laut meinem Garmin Programm ist eine hohe Trittfrequenz erstrebenswert. Ich bin ja mit 1,62 m Körpergröße relativ klein und meine Beine sind daher auch nicht die längsten. Also muss ich rein physikalisch einiges mit Trittfrequenz wettmachen, was ich an Schrittlänge nicht bieten kann. Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass kleinere und schnellere Schritte gelenksschonender sind als große und weite “Sprünge”. Aber vielleicht haben andere Leute diesbezüglich die genau gegenteilige Beobachtung gemacht.

Außer Acht lassen sollte man auch nicht, dass der Laufstil stark abhängig von der Geschwindigkeit und auf alle Fälle von der zurückgelegten Distanz ist. Will heißen: Ein 100 Meter Läufer läuft ganz anders als ein Ultramarathonläufer. Beim 100 Meter Läufer sollte jeder einzelne Schritt perfekt sein. Beim (Ultra-)marathon kommt es dagegen viel mehr auf die Effizienz über mehrere Stunden an, sodass Sehnen, Muskeln und Bänder die lange Distanz möglichst gut mitmachen und man vielleicht sogar gegen Ende des Bewerbs noch ein paar Reserven mobilisieren kann.

Das Thema Laufstil ist unendlich – und ich möchte euch nicht langweilen oder den Rahmen dieser Kolumne sprengen.

Mein Fazit ist, dass der beste Laufstil für eine Person genau der ist, mit dem man:

1. eine gewisse Geschwindigkeit mit der niedrigsten Herzfrequenz läuft, sich also zwischen Punkt A und Punkt B am wenigsten anstrengen muss

2. die geringste Verletzungsanfälligkeit hat

3. sich das Laufen am natürlichsten und am einfachsten anfühlt (“einfach laufen”)

(4. meiner Meinung nach nicht extrem mit der Ferse aufkommt, keine allzu großen Sprünge macht = leere Energie die in Höhe verschwendet wird, und v.a. keine zu langsamen Schritte macht, was also einer relativ hohen Trittfrequenz entspricht)

Wie denkt ihr darüber?

Eure Liesl

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