Teil 103 (KW 23/2020): Dieter Pratscher

©Dieter Pratscher (rechts)

Dieter Pratscher, Bautechniker aus dem Burgenland, beendet jetzt mit 40 Jahren seine tolle Karriere. Im Helden-Interview #103 spricht der Athlet vom LC Großpetersdorf über seine zurückliegende Laufbahn und auch über seine gehaltenen Rekorde in seinem Heimatbundesland.

Helden des Laufsports: Wie bist du zum Laufen gekommen und wann begann deine Laufbahn als Leistungssportler?

Dieter Pratscher: Aufgrund meines Übergewichts begann ich im Jahr 1997 ohne irgendwelche Pläne, eigentlich in erster Linie, um abzunehmen mit dem Laufen. Irgendwann wurde daraus aber mehr und ich wollte auch mehr, so startete ich 1998 bei meinem ersten Wettkampf (Crosslauf Landesmeisterschaften). In diesem Rennen konnte ich, damals noch ohne Verein, den dritten Platz erreichen. Das war quasi der Beginn.

Deine Bestzeit über zehn Kilometer steht bei 31:02 Minuten und deine Halbmarathonbestzeit bei 01:08 Stunden. Gibt es eine Bestzeit auf die du besonders stolz bist?

Ehrlich gesagt, wenn ich mir meine Bestzeiten so ansehe, mag vielleicht nicht der richtige Ausreißer dabei sein, aber die Zeiten sind von 1.000 Meter bis zum Marathon eigentlich alle ganz in Ordnung. Eine halbwegs gute Bandbreite. 😉 Besonders in guter Erinnerung ist mir die Halbmarathonzeit von 01:08 Stunden im Rahmen des Salzburg Marathons 2007 geblieben. Da bin ich, obwohl ich irrtümlich falsch geleitet wurde, noch diese Zeit gelaufen.

2010 bist du in Graz den Marathon in 02:27:57 Stunden gelaufen. Erzähl uns von diesem Tag.

Das war damals mein zweiter Marathon. Bei tollem Herbstwetter konnte ich im Rahmen der Staatsmeisterschaften mit einer klugen Renneinteilung und einer schnelleren zweiten Hälfte das Rennen auf Platz vier beenden.

Wie oben schon angesprochen, ist ein so schneller Läufer wie du, auch bei Staatsmeisterschaften beziehungsweise österreichischen Meisterschaften immer vorne dabei. Welche Erfolge konntest du hier feiern?

Vom Meistertitel, Mannschafts-Staatsmeister, mehrfachem Vize-Staatsmeister bis hin zu zahlreichen dritten Plätzen war da alles dabei. Diese Platzierungen konnte ich unter anderem über 1.500 Meter und 3.000 Meter Indoor/Outdoor, Crosslauf (Kurz- und Langstrecke), 5.000 Meter, 10.000 Meter, zehn Kilometer auf der Straße und Halbmarathon gewinnen. Ein Podestplatz bei den Staatsmeisterschaften war mir rückblickend betrachtet auch immer wichtiger als die gelaufene Zeit.

Wie viel hast du in deinen besten Jahren trainiert? Wie sah eine intensive Woche aus und wie bringt man Familie, Beruf und das Training perfekt unter einem Hut?

Teilweise waren das schon bis zu 6.000 Kilometer im Jahr. Was neben meinem Job und der Familie nicht immer ganz so einfach war, aber zum Glück hatte ich da immer viel Verständnis. Oftmals begann der Tag, mit der ersten Trainingseinheit, bereits um 05:00 Uhr am Morgen.
Von der Trainingsintensität her – zwei bis drei intensive Einheiten pro Woche – musste ich, nach der Erkrankung am Pfeifferschen Drüsenfieber, doch um einiges zurückstecken. Das hat sich eigentlich bis heute nicht mehr geändert.

Im Burgenland ist von der Meile bis zum Marathon noch keiner schneller gewesen als du. Wie viel bedeuten dir diese Landesrekorde?

Man muss natürlich schon dazu sagen, dass die Rekorde absolut kein Vergleich zu den Landesrekorden der anderen Bundesländer in Österreich sind. Aber für mich speziell war es schon immer eine große Motivation und auch Ansporn im Training, da die Rekorde für mich greifbar und erreichbar waren. Im Nachhinein bin ich natürlich auch sehr froh darüber, dass es mir geglückt ist diese Rekorde zu verbessern.

Wer könnte deine Rekorde brechen? Wie sieht es mit dem Läufernachwuchs in deiner Heimat aus?

Momentan schwierig zu sagen. Es gibt aber immer wieder einige gute und vor allem talentierte Läufer. Ich hoffe auch, dass es in Zukunft jemanden gibt, der die gleiche oder eine ähnliche Motivation dahinter sieht wie es bei mir der Fall war und dann wird es auch neue Rekorde geben. Die sind nämlich definitiv auch für viele andere erreichbar.

Jetzt machst du Schluss mit dem leistungsorientierten Wettkampfsport. Fällt dir der Abschied schwer? Oder denkst du dir mit 40 Jahren: Endlich!

Nachdem ich in den letzten Jahren immer wieder mit Verletzungen wie zum Beispiel einen Achillessehneneinriss, der mich zurzeit immer noch stark beeinträchtigt, zu kämpfen hatte, habe ich mich dazu entschlossen mit dem leistungsorientierten Wettkampfsport in diesem Jahr aufzuhören. Es sind ehrlich gesagt, trotz meines bevorstehenden 40ers und der physischen Probleme, schon gemischte Gefühle dabei. Die Atmosphäre, an der Startlinie und auch bei den Zieleinläufen, wird mir bestimmt fehlen.

Eigentlich wolltest du ja dieses Jahr den Wien Marathon laufen, leider wurde daraus nichts. In Zeiten von Corona: Wie viel trainierst du aktuell und ist ein Karierende unter diesen Umständen nicht zu überdenken?

Einerseits ist es natürlich sehr schade, dass ich in Wien nicht laufen konnte. Ich war trotz vorhandener Probleme an der rechten Achillessehne sehr gut in Form und richtig motiviert. Eine neue Bestzeit wäre durchaus möglich gewesen. Einen sportlichen Abschluss auf einem guten Niveau hätte ich mir natürlich gewünscht. Andererseits muss man aber sagen, speziell in Zeiten von Corona, ist es das wichtigste gesund zu sein. In Zeiten wie diesen rückt vieles, auch die sportlichen Interessen, in den Hintergrund. Ich habe mein Training mittlerweile komplett umgestellt. Anfangs war ich hauptsächlich in den eigenen vier Wänden am Heimtrainer (Radeln) und zwei oder drei Mal pro Woche Laufen. Mittlerweile bin ich nur mehr am Radfahren. Es macht Spaß und schont meine lädierte Sehne. Ich habe natürlich auch viel nachgedacht wie es sportlich weitergehen könnte, aber ein weiters Jahr anzuhängen ist für mich aus jetziger Sicht keine Option. Ich kann mir zwar vorstellen irgendwann wieder einen Wettkampf zu laufen. Aber bestimmt nicht mehr auf dem gewohnten Niveau.

Welches Erfolgsrezept hast du, um in diesem Alter noch so fit zu sein? Welche Rolle spielt hier die Ernährung?

Ich war eigentlich immer sehr ehrgeizig. Das bin ich auch immer noch mit meinen „fast“ 40 und das wird sich auch in Zukunft nicht ändern.
Eine ausgewogene Ernährung war mir immer wichtig. Die Belohnung nach einem guten Training oder Wettkampf durfte aber auch nie fehlen. 😉

Welche Hobbys, außer dem Laufsport, hast du noch?

Auf jeden Fall Tennis und Radfahren. Ich bin aber allgemein sehr sportinteressiert.

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