Fast schon immer April

#Kolumne

„Gehst du Laufen?“ werde ich gefragt.

„Ja.“

 „Wie ist denn das Wetter?“

„Das passt schon, glaub ich“, antworte ich. Meinen tu ich: „Keine Ahnung“.

Bald ist April. Und der April macht was er will, habe ich als Kind gelernt. Damit meinten die Erwachsenen damals, dass in dieser Zeit des Jahres von sengender Hitze bis zum Schneesturm so ziemlich alles vom Himmel kommen kann, was dieser so zu bieten hat. Heute – selbst erwachsen – sehe ich: Beim Laufen erlebe ich solche Überraschungen das ganze Jahr über.

Wie das?

Nun, Schwimmer brauchen Wasser, Wanderer Berge. Schifahrer mögen verschneit, Radfahrer aper. Tennisspieler verlassen bei Regen den Platz, und bei Hitze … kommen sie auch nicht wieder. Als Läufer nehme ich alles. Hin und wieder denke ich mir vorher „schaut ungemütlich aus, mich freuts nicht“, doch nachher kann ich mich selten erinnern, was so ungemütlich ausgesehen hat.

Woran liegt das? Nein, nicht daran, dass es kein falsches Wetter gibt, sondern nur falsche Kleidung. Das ist natürlich nicht ganz falsch, aber ohne die Sportartikelindustrie schädigen zu wollen: solange ich nicht drei Lagen am heißesten oder gar keine am kältesten Tag des Jahres anlege, reicht ein Blick auf den Kalender, um das richtige Outfit zu wählen. Fürs Laufen braucht es keine Wettervorhersage.

Nicht dass der Verzicht auf den Blick aufs Handy oder aus dem Fenster immer die angenehmsten Folgen hätte: Wer stakst gerne auf zu gefühllosen Klumpen gefrorenen Zehen durch den Schnee? Wer wankt gerne mit hochroter Birne über flimmernden Asphalt? Wenn mir der vereiste Gehsteig einen Luftstand verschafft und im besten Fall nur der Hintern im Rollsplit landet, zipft mich das genauso an wie wenn beim Tempolauf der Wind aus der falschen Richtung (von vorne) kommt.

Doch wiegt das auf, was ich völlig ungeplant erlebe, weil einfach geschieht, was geschehen will? Dass mich plötzlich ein Graupelschauer umfängt wie ein Konfettiregen? Dass die Sonne unverhofft durch die Nebelsuppe bricht, wenn ich oben am Hügel ankomme? Dass ich knöcheltief im Morast einsinke und dabei gleich Ausschau halte nach der nächsten Gatschlacke, in die ich reinspringen kann? Wenn ich klitschnass vom Sommergewitter am Teich den Fröschen beim Teichhüpfen zusehe, mache ich mir keine Gedanken mehr, ob die Sonne noch rauskommt. Und wenn in einer stürmischen Nacht auf einmal der Vollmond zwischen den Wolken rausleuchtet, bin ich froh, dass das Wetter immer machen wird, was es will. Für Läufer ist immer April.

„Und, hat es gepasst?“ werde ich oft bei der Rückkehr gefragt. Die Antwort lautet genauso oft: „Ja, genau richtig wars!“

Sportliche Grüße, Herbert!

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