Freiheit

Liebe Leser!

Wie geht es euch so mit der derzeitigen Situation? Hat sich euer Alltag dadurch stark verändert? Was daran ist für euch besonders gewöhnungsbedürftig? Was vermisst ihr am meisten bzw. worauf freut ihr euch am meisten, wenn alles wieder so ist wie “vorher”?

Und vor allem: was könnt ihr Positives aus diesen geänderten Umständen ziehen?

Ich möchte diese Fragen an dieser Stelle beantworten, und zwar aus meiner Perspektive. Als ich gehört habe, dass eine Ausgangssperre verhängt wird, habe ich mir zuerst gedacht: “Oje, also darf ich das Haus dann nur noch verlassen, um zur Arbeit zu gehen?” Und mein zweiter Gedanke war: “Dann werde ich eben jeden Tag zur Arbeit laufen.” Dann habe ich tatsächlich befürchtet, dass wirklich alle Geschäfte zusperren, was natürlich nicht praktikabel wäre, und habe mich ein bisschen von der Panik der anderen Menschen anstecken lassen, und ein paar Vorräte eingekauft.

Im Nachhinein betrachtet, empfinde ich die derzeitige Situation nun gar nicht wie eine richtige Ausgangssperre, eher wie eine “light Version” einer Ausgangssperre. Da ich als Ärztin ja ganz normal zur Arbeit gehe (eigentlich: mit dem Rad fahre), und man außerdem weiterhin laufen gehen darf, hat sich mein Alltag jetzt nicht so wahnsinnig verändert.

Allerdings vermisse ich Kaffeehaus- und Bar-Besuche, Kino, Theater, Billardspielen, Training auf der Laufbahn, meinen Opa zu besuchen, und natürlich die Lauf-Wettkämpfe. Mir gehen die Treffen mit meinen Freunden nach der Arbeit ziemlich ab.

Am aller-aller schlimmsten ist jedoch die Tatsache, dass wir unsere Hochzeit (geplant im Mai) nun verschieben müssen!

Das macht mich innerlich so wütend, obwohl tatsächlich niemand etwas dafür kann.

Nun komme ich zum Thema dieses Artikels: Freiheit. Was bleibt uns noch?

Ich würde sagen, das Laufen ist jetzt fast noch wichtiger geworden, weil es die einzige Freizeitaktivität ist, die ich noch außerhalb der Wohnung ausüben darf. Draußen herumrennen – ein Gefühl von Freiheit. Etwas, was mir keiner wegnehmen kann. Ich habe durch meine “unchristlichen” Trainingszeiten vor der Arbeit, d.h. in den frühen Morgenstunden, den Vorteil, dass ich während meines Trainings eh nur selten einem Menschen begegne. Bin ich einmal etwas später unterwegs, dann gebe ich auch wirklich Acht, genügend Abstand zu anderen Läufern oder Spaziergängern zu halten.

So komisch es klingt, ich bin jetzt irgendwie sehr froh, dass ich wie gewohnt zur Arbeit gehen darf. Es macht mich stolz, dass ich einen Beruf habe, der auch in der jetzigen Situation wichtig und unentbehrlich ist.

Außerdem hätte ich sicherlich Probleme dabei, von zuhause aus zu arbeiten. Ich glaube, ich könnte mich nicht ausreichend motivieren, würde ewig pennen oder den Tag mit anderen Dingen verbringen, statt brav vor dem Laptop zu sitzen. Respekt an alle, die das schaffen!

Freiheit bedeutet andererseits auch die Tatsache, mehr Zeit zu haben. Zeit, sich still zu beschäftigen, oder mit dem Partner (der übrigens auch Arzt ist) am Abend einen Film anzusehen, zu kochen, Bücher zu lesen. Keine ständigen Veranstaltungen, Fortbildungen oder Besprechungen, die bis in den Abend dauern.

Die Wochenenden sind (wenn ich nicht Dienst habe) nicht verplant, sondern bieten die Gelegenheit, stundenlang zu lesen oder etwas zu lernen. Das ist doch auch ganz schön, finde ich.

Und last but not least: Ganz bestimmt werde ich den normalen Alltag, die Treffen mit Freunden etc. um einiges mehr zu schätzen wissen, wenn die Coronavirus-Krise vorbei ist.

Ich freue mich jetzt schon darauf, wieder einen bestimmten Wettkampf ins Auge fassen zu dürfen.

Bleibt gesund – und bleibt daheim 😉

Eure Liesl

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