Hendrik Pfeiffer: „Ich stehe vor einem Scherbenhaufen“

Dem 26-jährigen Marathonprofi Hendrik Pfeiffer hat das Coronavirus, wie so viele andere Läufer auch, beinhart erreicht. Sportlich wie finanziell steht der Gelsenkirchner vor einem Scherbenhaufen. Wir haben Pfeiffer im Höhentrainingslager in Kenia erreicht und mit ihm über diese frustrierende Situation gesprochen.

©Hendrik Pfeiffer (links)

Helden des Laufsports: Wann und wo hat dich diese Absagenflut erreicht?

Hendrik: Nach meinem erfolgreichen Marathon in Sevilla, wo ich die Olympia-Norm geknackt habe, bin ich nach Kenia ins Trainingslager geflogen. Hier haben mich dann auch die ganzen Absagen erreicht. Mein nächster Wettkampf wäre der Berlin Halbmarathon gewesen, dieser findet jetzt logischerweise auch nicht mehr statt.

Hdl: Wie hart trifft es dich persönlich? Hast du Existenzängste?

Hendrik: Sportlich gesehen habe ich die EM und die Olympia-Norm bereits in der Tasche, da trifft es andere, die auf den Frühjahrsmarathon gesetzt haben noch viel schlimmer als mich. Finanziell gesehen ist mein Marktwert nach dem Sevilla Marathon gestiegen, und mit den Startgeldern der anstehenden Rennen hätte ich meine Trainingslager und generell mein Leben finanziert – das bricht jetzt alles weg. Je länger das Ganze andauert, umso schwieriger wird es. In Summe geht dieser finanzielle Verlust dann schon in den fünfstelligen Bereich.

Hdl: Wie geht es jetzt sportlich weiter? Inwiefern dämpft das die Motivation für dein Training?

Hendrik: Die Motivation ist natürlich am Tiefpunkt! Wie soll man sich denn noch motivieren? Olympia ist zwar noch nicht abgesagt, aber selbst dann, wäre das noch ewig lange hin. Man fragt sich einfach: Was bringt sich das Training jetzt noch? Ich laufe natürlich noch gerne, aber auf diesem Niveau ist eben nicht jede Einheit lustig. Den aktuellen Trainingsplan umzusetzen wird sehr schwierig werden.

Hdl: Die Olympischen Spiele in Tokio stehen jetzt natürlich auch auf der Kippe! Glaubst du persönlich daran, dass diese stattfinden werden?

Hendrik: Nein! Ich glaube nicht, dass Olympia wie geplant stattfinden wird. Convid-19 hat mein ganzes Lebenswerk zerstört und ich erwarte im Mai die Absage oder Verschiebung der Spiele. Auch das Qualysystem ist jetzt dermaßen kaputt, aber das schlimmste ist allerdings, dass keiner weiß wie es weitergeht. Offiziell sind ja noch nicht alle Wettbewerbe abgesagt und jede neue Absage wirkt für uns wie eine Ohrfeige. Im Grunde stehe ich jetzt vor einem Scherbenhaufen. Sportlich gesehen ist es schon frustrierend, wenn man bedenkt, dass ich bereits 2016 die Olympia-Norm geknackt hatte, aber damals wegen einer Verletzung nicht in Rio antreten konnte – jetzt stoppt mich dieser Virus.

Hdl: Würdest du sagen, dein Gefühlszustand, beschreibt aktuell den der gesamten Läufercommunity?

Hendrik: Die Stimmung hier – und ich bin mir sicher auch überall auf der Welt – unter den Top-Athleten ist natürlich am Tiefpunkt. Aber nicht nur für uns, auch für alle Hobbyathleten, welche sich monatelang auf den TAG X vorbereitet haben, ist es ein herber Rückschlag. Jeder Blick auf das Handy bedeutet eine weitere Absage und irgendwelche Ausreiseverbote. Mir geht es da wahrscheinlich wie alle anderen auch. Man will einfach gar nicht mehr hingucken, aber es betrifft dann doch uns alle.

Anmerkung: Wir drücken die Daumen und hoffen, dass bald wieder Normalität einkehrt. Vor allem für jene, die es auch finanziell beinhart trifft – egal in welchem Bereich!

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.