Teil 124 (KW 47/2020): Iris Hadbawnik

Foto: ©Iris Hadbawnik

Iris Hadbawnik aus Frankfurt am Main ist Autorin, Lauftrainerin und vor allem eins: Ultraläuferin! Im Helden-Interview #125 spricht die 47-jährige Athletin von den “UltraRunners.de” unter anderem über ihr neues Buch.

Helden des Laufsports: Wann und wie bist du zum Laufsport gekommen?

Iris Hadbawnik: Ich laufe bereits seit Mitte der 90er-Jahre. Damals habe ich das Laufen gehasst. Naja, sagen wir: Ich mochte es nicht besonders und interessierte mich auch nicht dafür. Ich bin gelaufen, weil es damals in Mode war, weil meine Arbeitskolleginnen einen Lauftreff ins Leben gerufen hatten und ich damit mehr oder weniger einem „Gruppenzwang“ unterlag. Erst als ich nach Frankfurt kam, dort einen stressigen Job hatte und deutlich zunahm, kam mir 2001 das Laufen wieder in den Sinn.  Nach einigen Anlaufschwierigkeiten lief ich nach einiger Zeit nicht mehr, weil ich es „musste“, sondern weil ich es aus tiefsten Herzen wollte. Ich lief, weil ich dabei mit mir alleine sein konnte. Weil ich mich beim Laufen frei und unbeschwert fühlte. Nach und nach spürte ich, dass Laufen mehr ist, als reine Bewegung. Laufen ist ein Lebensgefühl. Laufen ist eine spirituelle Erfahrung. Laufen lässt dich eins sein mit dir selbst. Laufen ist Freiheit. Das war der Moment, in dem ich das Laufen lieben lernte.

Du bist Ultraläuferin, was bedeutet Ultralauf für dich?

Der Ultralauf war wie eine Erleuchtung für mich. Denn nachdem ich im Laufe der Zeit in die „Leistungsfalle“ getappt war, in der ich bei jedem Rennen – sei es 10-km-Lauf, Halbmarathon oder Marathon – unbedingt eine neue Bestzeit aufstellen wollte, war das Laufen ganz klammheimlich immer mehr zu einem Stressfaktor geworden. 2006 startete ich bei meinem ersten 50-km-Lauf und ich war plötzlich wie in einer komplett anderen Welt. Die Teilnehmer waren viel entspannter, liefen viel langsamer und redeten die gesamte Zeit. Alle Verpflegungsstellen wurden ausgiebig genossen, und wer Lust dazu hatte, setzte sich unterwegs auch einfach mal hin oder trank ein Bier. Beim Ultralaufen ging es nun nicht mehr darum, in welcher Zeit man ein Rennen bestritt, sondern darum, dass man es überhaupt geschafft hatte, ins Ziel zu kommen. Ich fühlte, wie der Druck von mir abfiel. Es war nun nicht mehr nötig, ständig mein Tempo zu kontrollieren oder gehetzt durch die Gegend zu rennen. Nun konnte ich wieder die Natur genießen und konnte gehen, wann immer ich wollte. Ich spürte, wie ich mich beim Laufen entspannte und dabei wieder viel öfter lachte. Es dauerte einige Zeit, doch da hatte ich den Sinn des Laufens wirklich für mich verstanden. Es schien, als sei ich endlich angekommen.

Welche sportlichen Highlights durftest du schon erleben?

Ohje, wie viel Platz habe ich? [lacht] Ich bin schon bei etlichen Läufen gestartet und viele waren unfassbare Highlights. Der wohl landschaftlich schönste Lauf war der Lavaredo Ultratrail (118 km, 5.740 hm) durch die Dolomiten und vorbei an den Drei Zinnen. Auch der Ultratrail du Mont Blanc gehört in diese Kategorie. Jedoch war das Wetter damals sehr schlecht (Dauerregen und Schnee), so dass der Lauf auf 104 km und 5.800 hm gekürzt werden musste. Die Strecke sind wir dann ein paar Jahre später nochmal privat abgelaufen – einfach traumhaft schön! Ein Highlight war auch der Zugspitz Ultratrail (101 km, 5.474 hm), der Transalpine Run (260 km, 16.000 hm in 8 Tagen) oder der rennsteig-nonstop (168 km, 3.300 hm). Sehr emotional war zum Beispiel mein Finish beim Ironman Frankfurt. Die Stimmung entlang der Strecke und beim Zieleinlauf lässt sich mit nichts vergleichen. 

Welchen würdest du als deinen bisher größten sportlichen Erfolg bezeichnen?

Mein bisher größter sportlicher Erfolg war mit Sicherheit mein Finish beim Triple Ultratriathlon in Lensahn. Ich wollte immer schon „mehr als Ironman“ erleben und da ich mit dem Veranstalter Wolfgang Kulow durch die Arbeit an seinem Buch „Das Unvorstellbare wagen“ eng verbunden bin, bot sich die dreifache Distanz mit 11,4 km Schwimmen, 540 km Rad, 126,6 km Laufen einfach an. Dieses Rennen gehörte absolut in die Kategorie „once in a lifetime“ und war ganz klar ein Teamerfolg, denn ohne die Unterstützung von meinem 4-köpfigen Team – durch Essen, Getränke, Zuspruch, Ablenkung und ständige Motivation – hätte ich das nicht geschafft.

Wie viel Zeit investierst du pro Woche in Training?

Hm… das kommt ganz darauf an, ob gerade ein sportliches Highlight ansteht oder nicht. In einer intensiven Vorbereitungsphase auf einen Ultralauf können es auch mal bis zu 20 Stunden oder mehr pro Woche sein. Aber ich denke, über das Jahr verteilt pendele ich mich bei rund 10 Stunden pro Woche ein.

Läufst du gerne alleine oder auch mal in einer Gruppe?

Beides. Ich laufe unheimlich gerne alleine und nutze dies als eine Art Meditation, aber ich genieße es auch total mit Gruppen zu laufen. Im Personal Training bin ich auch sehr oft zu zweit unterwegs.

Hattest du in deiner Laufbahn mit vielen Verletzungen zu kämpfen?

Ich glaube, ich habe in den letzten 20 Jahren so ziemlich jede Laufverletzung durchgemacht. Sehr viele gleich zu Beginne meines Laufens, da ich mir anfangs keinerlei Gedanken über Lauftechnik, Krafttraining oder Regeneration gemacht habe. Auch habe ich anfangs nie oder viel zu spät auf die Signale meines Körpers gehört. Das hat sich geändert – und ich habe sehr viel daraus gelernt. Auch wie man relativ schnell nervige Lauf-Wehwehchen durch schnelles Handeln in den Griff kriegt.

Welche großen sportlichen Pläne hast du für die Zukunft?

Wenn die Frage auf Wettkämpfe abzielt, so habe ich derzeit keine Pläne für die Zukunft. Man wird sehen, was das Jahr 2021 an Möglichkeiten – auch hinsichtlich Corona – bringen wird. Ein großes Ziel wäre es jedoch, mehr Leuten den Spaß und die Freude am Laufen nahezubringen. In Frankfurt biete ich dafür Personal Training oder spezielle Anfänger-Laufgruppen an. Auch durch mein Buch „Laufen lieben lernen“ hoffe ich, mehr Menschen zum Laufen motivieren zu können. Ein großes Kompliment wäre, wenn sie dadurch den ersten Schritt tun und ihre ganz eigene Faszination und Leidenschaft daran entdecken.

Welche Hobbys, außer dem Sport, hast du noch?

Den Sport oder das Laufen sehe ich nicht als Hobby, es ist vielmehr eine Lebenseinstellung und stets mein treuer Begleiter. Es befreit vom Stress, lässt einen erden, Ziele definieren oder neue Ideen zu kreieren. Durch meine Tätigkeit als Inhaberin des Sportwelt Verlages, Autorin und Lauftrainerin aber auch Beziehung, Familie und Freunde, bleibt in meinem Leben nicht mehr viel Raum für ein zeitintensives Hobby.

Bei der letzten Frage geht es um Mode! Wie wichtig ist dir eine schöne und gute Laufbekleidung?

Hahaha… Das ist eine Frage, die mit 100-prozentiger Sicherheit nie einem männlichen Läufer gestellt werden würde. In erster Linie sollte Laufkleidung eines sein: funktionell. Man sollte sich absolut wohl und sicher darin fühlen. Es gibt Mädels, die mit krummen Rücken laufen, weil sie große Brüste haben oder Männer, die den Arm quer vor den Körper halten, um den Bauch zu verdecken. Wie soll man sich da noch auf das Laufen konzentrieren können? Wichtig ist, dass Kleidung stützt und Problemzonen – falls vorhanden – kaschiert, damit man das Laufen vollkommen genießen kann. Ob die Laufkleidung jetzt besonders modisch ist oder von einer teuren Marke, das ist für mich persönlich absolut zweitrangig.

Iris Hadbawnik ist auch Autorin! Ihr neues Buch ist hier erhältlich.

Das neue Buch von Iris Hadbawnik!

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