Teil 9 (KW 35/2018): Karin Freitag

Die Tirolerin Karin Freitag ist seit Jahren eine fixe Größe im österreichischen Laufsport. Etliche Staatsmeistertitel und Teilnahmen bei internationalen Meisterschaften sprechen für sich. Im Interview gibt uns die 38-jährige Krankenschwester einen Einblick in ihr Leben als Läuferin.

Helden des Laufsports: Mehrfache Staatsmeisterin im Marathon und Bergmarathon, die Liste deiner Erfolge ist sehr lange. Was war dein persönlich schönster Erfolg?

Karin: Meine schönsten Erfolge waren die Zieleinläufe bei den Marathon Staatsmeisterschaften und bei der 100 Kilometer Weltmeisterschaft in Spanien/Alcazeres mit dem 4.Platz und dem österreichischen 100 Kilometer Rekord. Weiters die Siege in der Wachau 2010, Graz Marathon 2015, Pisa Marathon 2015 und beim Lucca Marathon 2016.

Hdl: Vor kurzem konntest du dir, hinter Andrea Mayr, die Silbermedaille bei den österreichischen Staatsmeisterschaften im Berglauf sichern. Wie lautet dein Resümee von diesem Rennen?

Karin: zu diesem Zeitpunkt war ich noch nicht 100% in Form für den Berglauf, deshalb habe ich mich über Silber um so mehr gefreut und vor allem über die Qualifikation für die Berglauf WM in Andorra.

Hdl: Die großen Erfolge hast du auf den langen Distanzen. Sind dir die Anderen zu kurz?

Karin: Ich laufe auch sehr gerne kurze Distanzen als Training für die langen Distanzen, aber alles unter 3000 Meter funktioniert bei mir nicht mehr. Ich trainiere einfach nicht gezielt für kurze Distanzen. Für meine Lauftechnik, Körperbau eignen sich eher die langen Distanzen und außerdem ist die Ausdauer eher meine Stärke.

Hdl: Du bist Krankenschwester und lebst mit deiner Familie im schönen Tirol. Wie sieht bei dir ein normaler Trainingstag bzw. eine normale Trainingswoche aus?

Karin: Ich bereite die Kinder für die Schule vor, bringe sie in die Schule, mache mein Lauftraining, gehe in die Arbeit (von Mo – Fr) und am Abend treffen wir uns alle wieder zu Hause und haben noch ein Familienleben. Normalerweise trainiere ich nie zweimal am Tag, auch nicht am Wochenende.

Hdl: Du bist eine der besten Läuferinnen Österreichs. Hast du einen Trainer und/oder befolgst du strikt die Angaben eines Trainingsplans? Auf diesem Niveau, auf dem du läufst, kann vermutlich jede Kleinigkeit über Sieg und Niederlage entscheiden.

Karin: Ich trainiere schon seit ca. 10 Jahren alleine mit Gefühl, zuerst gemeinsam mit meinem Mann, seit den Kindern mehr alleine und seit 2018 mit der Struktur von einem Plan von Willy Lilge um den Körper neue Reize zu geben. Ich habe schon verschiedenes ausprobiert, aber das generelle Ausdauertraining als Basis nie vernachlässigt, damit es nicht zu einem Einsturz kommt. Vieles ist planbar, aber nicht alles. Es gehören oft auch sehr viel Glück und intuitive Entscheidungen dazu und mir ist es schon wichtig bis zu einem gewissen Grad selbständig zu bleiben.

Hdl: Wo läufst du am liebsten? Hast du eine Strecke die du besonders empfehlen kannst?

Karin: Ich habe eine Hauptrainingsstrecke die geht 10 Kilometer bergauf/ab, eine 16 Kilometer flache Strecke, eine 7 Kilometer Bergstraße und eine Regenerationslaufrunde auf einen Naturweg. Mein Training spielt sich auf diesen vier Strecken ab, obwohl eine Änderung sicher einmal gut tun würde, aber das Vertraute gibt mir Sicherheit und Kontrolle.

Hdl: Eine großartige Karriere liegt schon hinter dir aber welche großen Ziele hast du noch für die Zukunft?

Karin: Mein Hauptziel ist der Marathon, mich zu verbessern oder zu erhalten, aber nebenbei auch regelmäßig Unterdistanzen ab 5000m mitzulaufen, ebenso im Sommer im Berglauf aktiv zu sein z. B bei einer Berglauf EM/WM. Die Ziele ergeben sich oft im Laufe der Zeit und Vielfältigkeit ist für mich sehr wichtig.

Hdl: Seit 2016 hast du auch den österreichischen Damen-Rekord über 100 Kilometer inne. In Spanien bist du den 100er in 07:45 Stunden gelaufen. Sind für dich Ultradistanzen in Zukunft noch reizvoll?

Karin: Ultralauf ist sicher etwas Reizvolles, aber für mich kommt nur der 100km Straßenlauf-das exakt meßbare in Frage. Ultratrails interessieren mich nicht wirklich. Momentan will ich aber doch noch mehr beim Marathon bleiben, aber der Ausflug in die Welt der Ultraläufer war 2016 doch sehr interessant. 2020 möchte ich wieder bei der 100 Kilometer Weltmeisterschaft mitmachen.

Hdl: Bist du eigentlich schon immer so sportlich oder gab es eine Zeit wo du nicht „viel“ in Bewegung warst?

Karin: Von Natur aus habe ich mich schon seit Kind auf immer bewegt, weil ich auf einen Berbauernhof aufgewachsen bin – Schulweg bergauf/ab und fast die ganze Freizeit immer in der Natur mit Bewegung verbracht, aber nie bewußt einen Sport betrieben. Am Land ist der Zugang zu Sportstätten wesentlich schwieriger.

Hdl: Trainieren, arbeiten und Familienleben. Geht sich da noch ein anderes Hobby aus?

Karin: Ja, irgendwo muß man aber Abstriche machen und Prioritäten setzen. Ich bin kein Perfektionist und auch kein Karrieretyp. Familie und Sport stehen an erster Stelle und alle drei Dinge ergänzen sich optimal und ergeben ein ausgeglichenes Leben.

Hdl: Wie wichtig ist dir, im Bezug auf den Laufsport, die Ernährung?

Karin: Ernährung wird oft überbewertet. Für mich reicht eine gesund Mischkost mit viel Salat und Gemüse. Nahrungsergänzungsmittel sind meiner Meinung nach überflüssig, wichtig ist nach harten Training eine gute Kohlenhydrat/Eiweißkombination zu essen.

Hdl: Danke dass du dir Zeit genommen hast für dieses Gespräch!

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