Kenia-Siege beim Vienna City Marathon – Julia Mayer läuft neuen Halbmarathonrekord

Kenia-Siege beim Vienna City Marathon – Julia Mayer läuft neuen Halbmarathonrekord

Text: Olaf Brockmann

April 2022: Ein herausragender Streckenrekord bei den Frauen krönte den 39. Vienna City Marathon! Vorjahressiegerin Vibian Chepkirui (Kenia) setzte sich beim Klassiker über die 42,195 km in 2:20:59 Stunden durch und pulverisierte damit die bisherige Wien-Bestmarke von Nancy Kiprop (2:22:12/2019). Auch bei den Männern gab es einen Kenia-Sieg durch Cosmas Muteti (2:06:53). Enttäuschung bei den Österreichern – kein Limit für die EM in München.

Vibian Chepkirui durfte jubeln / Foto: ©Olaf Brockmann

Timon Theuer, der die EM-Norm von 2:14:30 angepeilt hatte, stürzte schon nach acht Kilometern und musste nach 32 Kilometern erschöpft aufgeben, Andreas Vojta hatte für ihn das Tempo gemacht, lief dann aber auch nach der Aufgabe von Theuer locker als 19. in 2:23:21 durch. Lemawork Ketema, der zweite Österreicher, der heiß auf die EM in München war, verpasste ebenfalls das Limit. Er belegte in 2:15:42 den 13. Platz.

Fast vom Auto angefahren

Ketema: „Das war heute nicht mein Tag, leider. Da kann man nichts machen, es war unterwegs auch windig.“ Zudem hatte er das Pech, dass sein Führungsfahrzeug sich in der Nähe der Votivkirche bei einer Baustelle etwas verfahren hatte, da hatte er wertvolle Sekunden verloren. Es war ohnehin eine dramatische Sache, als das Auto abbog. Da wäre er fast vom Auto überfahren worden. „Das waren nur ein paar Millimeter!“ Aber nicht nur das! „Da waren noch ein paar ärgerliche Sachen mehr dabei. Da war der Pacemaker mal schnell, mal langsam. Ich musste auch eine ganze Strecke allein laufen, dann war Richtung Lusthaus starker Gegenwind“, sagte Lemawork Ketema. Bei all diesen Ungereimtheiten konnte er „aber noch sehr zufrieden“ sein.

25.000 Euro Prämie

Vibian Chepkirui machte aber ihr Versprechen wahr! Im Vorjahr hatte sie in Wien ihr Marathon-Debüt gegeben. Jetzt lief sie die angekündigte Bestzeit und führte einen Dreifachsieg für Kenia an. Sie siegte knapp vor ihrer Landsfrau Ruth Chebitok (2:21:03) und Sheila Jerotich (2:23:01). Sie zog natürlich erfreulich Bilanz: „Ich war gut vorbereitet, bin sehr zufrieden. Der erste Teil des Rennens war härter als im Vorjahr.“ Auch bei ihr ein Missgeschickt! Ihr Ehemann, der das Tempo für sie gemacht hatte, hatte sich leicht verletzt, womit auch sie noch Zeit liegen ließ. Grund für das Problem ihres Lebensgefährten: Seine Schuhe waren ein halbe Nummer zu klein. Die Siegerin: „Wenn alles gut läuft, kann ich auch 2:18 laufen.“ Mit der Prämie war aber sie höchst zufrieden: 15.000 Euro für den Sieg und zusätzlich 10.000 Euro für den Streckenrekord.

Mein größter Sieg!”

Bei den Männern siegte mit Cosmas Muteti ein früherer Radfahrer. Nach zahlreichen Stürzen, verbunden mit Verletzungen und Brüchen, stieg er als 17-Jähriger mit Erfolg auf den Laufsport um. Mit 2:06:53 erzielte er die zweitbeste je in Wien gelaufene Zeit. Nur Getu Feleke war mit 2:05:41 vor acht Jahren einmal schneller als jetzt der Kenianer. Muteti, der mit sechs Sekunden Vorsprung vor seinem Landsmann Kipkoech Langat gewann, sagte: “Das war mein größter Sieg! Ich freue mich über meine Bestzeit, aber auch für den Organisator. Es ist eine tolle Leistung, ein toller Marathon. Ich habe nicht erwartet, eine 2:06 zu laufen. Aber ich habe immer auf meinen Körper gehört und ich habe gespürt, dass ich es kann.“ Er hofft, im nächsten Jahr wieder in Wien laufen zu dürfen. “Ich kann 2:04 oder 2:05 bei euch laufen, die Strecke ist super!“, sagte Muteti, der in seiner Kindheit auf dem Nachhauseweg von der Schule regelmäßig Vögel und kleine Hasen gejagt hatte…

Herzog 10.000 Meter bei der EM?

Zuvor hatte es im Halbmarathon einen Dreifachsieg für Österreich gegeben. Mario Bauernfeind gewann in persönlicher Bestzeit von 1:05:35 vor Marathon-Rekordler Peter Herzog (1:05:41) und Georg Schrank (1:08:08). Herzog feierte nach einer Oberschenkelverletzung ein gutes Comeback in Wien. Am Samstag hatte er das 10-km-Rennen gewonnen, dann folgte am Sonntag Platz zwei. „Über 10 km hatte ich mich gut gefühlt, nichts von der Verletzung gespürt, im Halbmarathon aber lief es unrund. Mein Plan ist, Ende Mai wieder ein 10-km-Rennen zu laufen. Ein Marathon aber wird sich wohl erst frühestens im Herbst wieder ausgehen.“ Damit kann er die EM in München im August im Marathon vergessen. Aber eine Option ist ein Start über 10.000 m. Dies sei, so sein Trainer Hannes Langer, ein realistisches Ziel.

Wien-Sieger Cosmas Muteti / Foto: ©Olaf Brockmann

Rekord von Julia Mayer

Eine tolle Erfolgsmeldung kam – während des Marathon-Rennens in Wien – aus Malaga! Julia Mayer stellte dort im Halbmarathon mit 1:11:13 einen neuen österreichischen Rekord auf. Sie verbesserte die sieben Jahre alte Bestzeit von Andrea Mayr (1:11:34) um 21 Sekunden. Julia Mayer belegte als beste Europäerin Platz 5. “Seitens des Veranstalters gab es einen Pacemaker, der mit einer Britin 69 bis 70 Minuten laufen sollte. Ich habe mich schon zu Beginn des Rennens dazu entschieden, da nicht mitzulaufen, weil mir nach einer krankheitsbedingten Pause noch das nötige Selbstvertrauen fehlt”, sagt Mayer und fügt hinzu: “Am Ende ging meine Renneinteilung auf und ich konnte die Britin in der letzten Runde sogar überholen und Rekord laufen. Da bin ich natürlich sehr zufrieden mit dem Lauf.” Das Rennen wurde von der World Athletics auch – entgegen ersten Berichten – sehr wohl ratifiziert (siehe mein Posting als letztes Bild). Einer Rekordanerkennung steht damit nichts mehr im Weg.

Rekordhalterin Julia Mayer. Foto: ©asics

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