„Lauf, Junge“: Als Jan Fitschen in Göteborg triumphierte

Text: Mario Friedl. Ein Beitrag aus der Reihe: “Was geschah am …?”

8. August 2006

Jeder, der sich im deutschsprachigem Raum mit dem Laufsport beschäftigt, hat wohl schon einmal dieses Rennen auf „Youtube“ gesehen. Es war DAS Rennen des Jan Fitschen! Der Mann vom TV Wattenscheid konnte bei der Europameisterschaft 2006 in Göteborg völlig überraschend den Titel über die 10.000 m holen. Der damals 29-jährige Deutsche riss nach 28:10 Minuten und völlig vollgepumpt mit Endorphine, die Arme hoch.

“Lauf, Junge, das kann dein Rennen werden!”

Was war genau passiert? Vier Jahre nachdem Dieter Baumann bei den Europameisterschaften von München die Silbermedaille über 10.000 Meter gewonnen hatte, sorgte Jan Fitschen für die Sensation und holte sich die Goldmedaille in Göteborg. „200 Meter vor dem Ziel habe ich geglaubt, dass ich gewinnen kann”, sagte Jan Fitschen, der auf der Zielgeraden den führenden Spanier José Manuel Martínez überholte, damals nach dem Rennen. Zuvor waren der Schweizer Belz und die beiden Spanier Martínez und de la Ossa noch vor Fitschen in die letzten 400 Meter gegangen. Doch dann folgte die Stunde des Jan Fitschen! Belz viel zurück und auch die Favorisierten Spanier schwächelten. Die Kommentatoren Ralf Scholt und Willi Hark, die das Rennen für die Zuschauer zum Spektakel machten, peitschten Fitschen mit einem “Lauf, Junge, das kann dein Rennen werden” zum Sieg.

Foto ©: Imago Belga

„Titel veränderte mein Leben“

Am Ende war die Sensation perfekt. „Kurz vor dem Ziel habe ich mich noch mal umgeschaut, dann auf die Videoleinwand geschaut, die Arme hochgerissen und gedacht: Das kann doch alles nicht wahr sein”, erinnert sich Fitschen zurück. Den letzten Kilometer lief der sympathische Deutsche in grandiosen 02:30 Minuten pro Kilometer. 32 Jahre nachdem Manfred Kuschmann 1974 im Trikot der DDR Europameister geworden war, stellte Deutschland wieder einen EM-Goldmedaillengewinner über diese Distanz. „Ich wusste, dass ich nur bei so einem Rennverlauf, kein schnelles, sondern ein taktisches Rennen, eine Chance habe mit vorne zu platzieren“, so Fitschen. Begeistert war damals auch Fitschens Trainer Tono Kirschbaum: „Wenn mir vorher einer gesagt hätte, dass Jan hier gewinnt, hätte ich ihn wohl für verrückt erklärt.“ Der Titel hat Jan Fitschen´s Leben verändert. „Wäre ich nur Vierter geworden, hätte man mich völlig anders wahrgenommen. Ohne Titel wäre ich wahrscheinlich nie nach Kenia gekommen“, sagt der Mann, der später Marathonläufer wurde und dort eine Bestzeit 02:13 Stunden vorzuweisen hat. 2015 beendete Fitschen seine Karriere, blieb aber als Buchautor („Wunderläuferland Kenia“), Redner und Motivator dem Laufsport bis heute treu.

Jetzt genießen wir einfach noch einmal seine grandiose 400-m-Schlussrunde von Göteborg (letzter Kilometer in 02:30 Minuten).

EM 2006 in Göteborg: Ergebnis 10.000 m

1. Jan Fitschen (Deutschland) 28:10,94

2. José Manuel Martínez (Spanien) 28:12,06

3. Juan Carlos de la Ossa (Spanien) 28:13,73

4. Christian Belz (Schweiz) 28:16,93

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