Laufen nach der Baby-Pause

Liebe Leser!

August 2021: Ich habe lange nichts von mir hören lassen. Aus gutem Grund – schließlich habe ich Anfang Mai meine Tochter Hanna zur Welt gebracht. Ich kann nur sagen, es gibt nichts Schöneres. Die Kleine ist mein Ein und Alles.

Hier möchte ich darüber schreiben, wie sich mein Alltag mit unserem Baby eingependelt hat und wie ich langsam wieder mit dem Training begonnen habe.

Gleich vorweg, falls es jemanden (die weiblichen Leser unter euch) interessiert: Hannas Geburt war eine Spontangeburt ohne Periduralanästhesie (PDA), so wie ich mir das gewünscht habe. Ich möchte nicht lügen, es war schon schmerzhaft. Aber danach ist alles vergessen und einfach wunderschön. Leider habe ich mir im Zuge der Geburt das Steißbein gebrochen, was eine eher seltene Komplikation bzw. Geburtsverletzung ist. Daher hatte ich auch zuerst Probleme mit den Beckenbodenübungen, denn jedes Mal wenn ich den Beckenboden angespannt habe, hat mein Steißbein geschmerzt. Außerdem konnte ich am Anfang auch nicht richtig sitzen, wenn dann nur auf eine Seite gelehnt, und habe daher in den ersten Tagen hauptsächlich im Stehen gestillt. (Die liegende Stillposition hat Hanna leider nicht so gern gemocht.)

Foto: ©Elisabeth Taucher

Apropos Stillen: Als Ärztin kann ich nur bestätigen, wenn das Stillen funktioniert, dann sollte man es machen. Die Muttermilch ist die beste Nahrung für Säuglinge, und man sollte zumindest 4 (die Weltgesundheits-Organisation WHO sagt sogar 6) Monate ausschließlich stillen. Natürlich gibt es verschiedene Gründe, warum das Stillen bei manchen Frauen nicht möglich ist. Hier möchte ich erwähnen, dass die Flaschenmilch, welche es heutzutage auf dem Markt gibt, auch schon sehr gut ist und der Muttermilch in puncto Qualität sehr nahekommt. Jedoch bleibt es dabei – die Muttermilch ist immer noch am besten für die Baby-Ernährung geeignet. Aus diesem Grund stille ich auch voll, was zum Glück bei Hanna und mir gut klappt.

Durch das Stillen dauert es allerdings länger, bis man wieder „in Form“ kommt. Der Grund ist, dass durch die Hormone Prolaktin und Oxytocin der Bandapparat weiterhin etwas schlaffer ist als vor der Schwangerschaft. Daher muss man, wenn man wieder mit dem Laufen beginnt, auch hin und wieder Stabis machen 😉.

Ich habe schon nach weniger als 3 Wochen nach Hannas Geburt den ersten Laufversuch gestartet, aber das hat leider überhaupt nicht hingehaut. Mein ganzer Körper war noch so mitgenommen von der Geburt und dem dauernden Aufstehen in der Nacht. Außerdem bin ich zuletzt in der 32. Schwangerschaftswoche gelaufen, und mein gesamter Bewegungsapparat war etwas „entwöhnt“ vom Laufen.

Um ehrlich zu sein, ich war sehr enttäuscht von meinen ersten gescheiterten Laufversuchen. Hatte ich doch von Läuferinnen gehört, die 3 Wochen postpartum schon wieder recht flott und weit unterwegs waren. Es war schwierig für mich, mir einzugestehen, dass mein Körper eben meiner ist, und dass ich mich nicht mit anderen vergleichen sollte. Schließlich ist nicht nur jeder Körper, sondern auch jede Geburt individuell, und die Erholung nach der Geburt (oder nach einem Kaiserschnitt) hängt von vielen Faktoren ab. Also habe ich sprichwörtlich in den sauren Apfel gebissen, ein paar Tage mit dem Laufen pausiert, bin hin und wieder ganz ohne zu tracken locker gejoggt, wobei ich sehr viele Gehpausen gemacht habe, und irgendwann, circa 5 Wochen nach der Geburt, konnte ich wieder mit „richtigem“ Laufen starten. Damit meine ich, circa 5 Minuten pro Kilometer und ohne dauernde Gehpausen. Meine ersten Läufe waren nur 3 oder 4 Kilometer weit. Danach war ich erstmal ziemlich geschafft.

Bald gewöhnte sich mein Körper aber wieder an das Laufen, und ich konnte die Umfänge steigern. Derzeit (10 Wochen postpartum) laufe ich 7-10 Kilometer pro Tag an 6-7 Tagen pro Woche. Ich komme so auf etwa 50 Kilometer pro Woche. Wie ich mir das einteile? Nun, ich bin ja derzeit in Karenz und somit „Vollzeit-Mama“. Ich stehe früh auf (oder Hanna weckt mich ohnehin), und dann versorge ich erstmal die Kleine: Stillen und wickeln. Dann schläft Hanna noch eine Runde, und mein Mann ebenfalls, der gegen 6 Uhr aufsteht um arbeiten zu gehen. Von 5 bis 6 Uhr ist also meine Happy Hour, wo ich Zeit für mich und somit fürs Laufen habe. Sobald ich zurück bin, kümmere ich mich wieder um Hanna. Stabis und Beckenbodenübungen mache ich irgendwann im Laufe des Tages, wenn es mal passt und Hanna schläft. Allerdings gebe ich zu, dass ich nicht täglich Stabis mache, und wenn dann auch nur kurz. 10 Minuten sind ja auch besser als gar nichts 😉. In den Satzpausen der Stabi-Übungen dehne ich. Zurzeit habe ich keinen besonderen Ehrgeiz, mich rasch wieder zu steigern. Ich bin einfach dankbar, dass ich wieder laufen kann, dass ich 10 Kilometer mit einem 5er Schnitt gut schaffe, trotz der teilweise turbulenten Nächte. Das muss ich schon sagen: Mit Erholung ist halt nix, wenn man auf ein kleines Baby aufpassen muss. Daher kann und will ich beim Training nicht an meine Grenzen gehen, denn ich brauche genug Energie für den restlichen Tag, um für mein Baby fit zu sein. An die durchwachten Nächte kann ich mich leider immer noch nicht so recht gewöhnen. Außerdem ist mein Baby im Gegensatz zu mir eine richtige Nachteule, und will oft um 22 Uhr noch mit mir spielen oder herumgetragen werden, wenn ich schon ziemlich k.o. bin.

Wenn ich wieder regelmäßig in der Nacht durchschlafen kann, dann werde ich ja sehen, ob ich die Umfänge oder Intensität des Trainings wieder steigern kann. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Als kleine Randnotiz möchte ich außerdem noch hinzufügen, dass ich persönlich nicht der Typ für das Laufen mit dem Jogging Stroller bin. Ich gehe lieber extra mit Hanna ganz entspannt spazieren (das machen wir jeden Tag) und nehme mir dabei bewusst Zeit für die Kleine. Beim Laufen bin ich lieber ganz für mich alleine.

In diesem Sinne wünsche ich allen Läufer-Mamas und Läufer-Papas einen schönen restlichen Sommer und viel Spaß beim Training und vor allem mit dem Nachwuchs. 😊

Eure Liesl

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