Teil 48 (KW 19/2019): Mario Bauernfeind

Einen großen Halbmarathon zu gewinnen, davon träumen vermutlich die meisten Läufer. Mario Bauernfeind aus Wien (23. Bezirk) hat sich diesen Traum bereits erfüllt. Beim „VCM 2019“ überquerte der Polizist nach 21,1 Kilometer als erster die Ziellinie. Das und noch viel mehr erzählt uns der Hobbykoch im Helden-Interview #48.

Helden des Laufsports: Hallo Mario. Im April bist du im Rahmen des „VCM 2019“ den Halbmarathon gelaufen und hast diesen auch gewonnen. Wie sah deine Gefühlswelt beim Zieleinlauf aus?

Mario: Der Zieleinlauf war einfach genial. Ich habe mir gedacht, dass das die Momente sind, für die man jahrelang trainiert hat und in dieser Zeit auf so viel verzichten musste. Das Gute war auch, dass ich diesen Moment auch ein bisschen genießen und aufsaugen konnte, da mein erster Verfolger nicht allzu knapp hinter mir war. Ich kann zweifelsohne sagen, dass es ein absolutes Karrierehighlight für mich war.

Hdl: Neben deinem Sieg in Wien konntest du dir diese Saison auch schon die Bronzemedaille bei den 10000 Meter-Staatsmeisterschaften in Regensburg (Bahn) und die Silbermedaille bei den 3000 Meter-Staatsmeisterschaften in Wien sichern. Aber auch in der Vergangenheit gab es schon Grund zum Feiern. Was waren deine bisherigen Highlights?

Mario: Ich würde sagen, dass meine erste Goldmedaille bei den 3×1000 Meter Langstaffelmeisterschaften das größte Highlight war, weil es schon immer mein Ziel gewesen ist, einmal bei Staatsmeisterschaften auf dem obersten Treppchen zu stehen. Es ist eine Medaille gewesen die ich mit meinen Vereinskollegen im Team (KUS ÖBV Proteam) geholt habe. Meine Siege letztes Jahr auf der Wiener Ringstraße beim „Vienna Night Run“, sowie der Silvesterlauf waren ebenfalls etwas ganz Besonderes. In der Heimatstadt vor so vielen Freunden, Verwandten und auch Arbeitskollegen (die für die Straßensperren zuständig waren) zu gewinnen war richtig cool. Es gab auch einen Wettkampf der mir persönlich einfach enorm wichtig war, weil ich von einer Verletzung zurückgekommen bin: Ich kann mich noch genau auf die Wiener Landesmeisterschaften im Jänner 2017 erinnern, als ich ein Monat vor dem Wettkampf wieder ins Training eingestiegen bin. Ich konnte die 3000 Meter gewinnen und in neuer persönlicher Bestzeit den Wiener Landesmeisterschaftstitel holen.

Hdl: Von 1500 Meter (03:53,25 Minuten) bis zum Halbmarathon (01:06:40 Stunden) hast du tolle und beeindruckende Bestzeiten stehen. Wie sieht dein Trainingsalltag aus und wo sind hier die Vorteile als Polizist?

Mario: Ich würde sogar sagen, dass ich bis zum Marathon keine schlechten Zeiten stehen habe. 🙂 Ich habe ja letztes Jahr im Oktober mein Marathondebut gegeben. Es war zwar nur ein kurzer Ausflug, weil dort die Polizei Europameisterschaften ausgetragen wurden, aber es war eine ganz coole Erfahrung die ich machen durfte. Immerhin hat es für den 35. Platz von mehr als 25000 Startern, sowie den 7. Platz unter allen europäischen Polizisten gereicht. Ich versuche meinen Trainingsalltag so gut wie möglich im Vorhinein zu planen. Wenn man das schafft, erspart man sich viel Stress und böse Überraschungen. Ich stimme den Tagesablauf eigentlich auf meinen Trainingsplan ab, was meiner Frau nicht immer so gefällt. Natürlich ist auch unsere Urlaubsplanung im Sommer auf den Wettkampfplan ausgerichtet, weil ich nicht erst eine Woche vor den Meisterschaften von einem Strandurlaub zurückkommen möchte. Habe ich zwei Trainings, versuche ich schon vor dem Frühstück das erste Training zu absolvieren. Sind wir bei einer Familienfeier eingeladen, muss das Training auch schon sehr früh gelaufen werden. Ebenfalls muss man auch die Wettersituation immer im Hinterkopf behalten. Es ist nicht klug, im Hochsommer in der Mittagshitze zu trainieren, weil man einfach zu viel Substanz lässt und das Training zur Hölle werden kann. Durch die Aufnahme in den Polizeilaufkader habe ich sicherlich einen Vorteil, weil ich viele Freistellungen genieße und dienstlich sehr viel unterstützt werde. Ich kann meine Leidenschaft – das “Laufen” mit meinem Traumjob als Polizist perfekt kombinieren.

Hdl: Welche sind im Wettkampf deine Lieblingsdistanzen?

Mario: Das ist wirklich schwer zu beantworten. Das ist je nach Saisonzeitpunkt unterschiedlich. Ich laufe in den Wintermonaten sehr gerne Distanzen von 1500 Meter bis 3000 Meter, weil ich das Privileg in Wien genieße, das Ferry-Dusika-Hallenstadion vor der Haustüre zu haben. Dort kann man auch an sehr kalten und eisigen Tagen schnelle Trainingseinheiten absolvieren. Das macht echt großen Spaß in den Spikes, auf der 200 Meter Laufbahn, seine Runden unter einem Kilometerschnitt von 3:00 Minuten zu laufen. Wenn es dann in Richtung Frühling geht und die Tage wieder wärmer werden, bevorzuge ich die Distanzen von 5000 Meter bis zum Halbmarathon. Der 5000 Meter bzw. der 10.000 Meter-Lauf sind sicherlich die Distanzen, die ich am liebsten laufe, weil man eine gute Mischung aus Schnelligkeit und Ausdauer braucht. Im Herbst laufe ich zum Abschluss am liebsten noch einen Halbmarathon, bevor es im November in eine kurze Saisonpause geht. Man kann also sagen, dass sich meine Wettkampfdistanz übers Jahr stetig verlängert.

Hdl: Wie schaut es im Training aus?

Mario: Im Training trainiere ich am liebsten Intervalle die je nach anstehenden Wettkämpfen in der Länge, Dauer und Pausen verändert werden. Das sind zum Bespiel 8×400 Meter vor einem 3000er oder 8 bis 10×1000 Meter vor einem zehn Kilometer-Wettkampf. Solche Trainingseinheiten sind immer sehr hart und verlangen mir alles ab. Aber da ich weiß, dass sie mich schneller machen, freue ich mich mittlerweile immer auf solche Einheiten. Das war aber auch nicht immer so… (lach)

Hdl: Du lebst in Wien. Wo trainierst du dort am häufigsten?

Mario: Ich wohne im Süden von Wien, an der Grenze zu Niederösterreich. Ich habe hier optimale Trainingsbedingungen. Es gibt den Liesingbachradweg, den ich in Richtung Schwechat laufen kann. Der Thermenradweg, der in Richtung Laxenburg verläuft, liegt ebenfalls direkt vor meiner Haustür. An beiden Alternativen gibt es Trinkbrunnen, schattige Laufabschnitte (speziell im Sommer vom Vorteil), unterschiedlichen Untergrund (Asphalt, Schotter oder Lehm) sowie guten Windschutz durch Bäume und Sträucher. Hier mache ich meine Regenerations- sowie GA1 und GA2 Läufe. Für die schnellen Einheiten fahre ich in den Wiener Prater, wo ich auf der allseits bekannten Hauptallee oder im direkt danebenliegenden Leichtathletikstadion auf der 400 Meter Laufbahn trainiere.Im Winter verlegt sich das Intervalltraining natürlich in das Ferry-Dusika-Stadion.

Hdl: Welche sind die Schattenseiten des Spitzensports? Hattest du auch schon des Öfteren Selbstzweifel oder verlief deine Karriere immer nach Plan?

Mario: Man muss sich immer im Klaren sein, dass es nicht immer nur Bestzeiten und positive Ergebnisse geben kann. Als Spitzensportler muss man versuchen auch aus schlechten Rennen etwas Positives mitzunehmen. Es verliert nur der, der es nicht schafft, aus Krisen wieder zurückzukommen. Ich hatte auch drei Jahre in meiner Karriere, in denen meine Leistungen stagniert sind. Ich habe im Training alles versucht und es hat einfach nichts funktioniert. Man hat als Sportler dann einfach Selbstzweifel und denkt daran aufzuhören. Ich bin auch schon öfters durch Verletzungen gebremst worden. Wenn man vier Wochen vor einem wichtigen Wettkampf durch einen Ermüdungsbruch gebremst wird, braucht man einige Zeit um diese Situation zu verarbeiten. Gerade in solchen Phasen hat man immer Zweifel, ob man die Leistung von vor der Verletzung jemals wieder erbringen kann. Ich glaube, dass es einfach wichtig ist, auf sich selbst zu schauen und zu versuchen seine eigene Leistung am Wettkampftag zu bringen.

Hdl: Zu Beginn warst du Triathlet, wann und warum hast du dich auf das Laufen konzentriert?

Mario: Ja. Ich habe zu Beginn meiner Laufbahn mit Triathlon begonnen. In der Oberstufe, im Alter von 16 bis 20 Jahren habe ich meine liebe zum Triathlon entdeckt. Mein Turnlehrer, selbst Triathlet und Ironman, war mein großes Vorbild. Er hat mich motiviert, gefördert und mir die ersten Trainingspläne geschrieben. Er besorgte mir ein Rennrad, eine Uhr, einen Neoprenanzug und Lauschuhe, so dass wir gemeinsam auf Wettkämpfe fahren konnten. Ich bemerkte im Training sowie auch bei den Wettkämpfen, dass mir das Laufen am meisten gefällt und ich von den drei Sportarten (Schwimmen, Radfahren und Laufen) sicherlich das meiste Talent mitbringe. Als ich dann mit 20 Jahren in der Polizeischule erfuhr, dass es einen Laufkader gibt, trainierte ich für die erforderlichen Limits. Seitdem bin ich komplett dem Laufsport verschrieben, aber ich schließe nicht aus, dass ich eines Tages wieder einen Triathlon machen werde.

Hdl: Welche sportlichen Pläne hast du für die Zukunft? Da du ja dieses Jahr deinen 28. Geburtstag gefeiert hast, bist du ja quasi im perfekten Marathon-Alter. Bei der Polizei-EM 2018 hast du nach 02:28 Stunden das Ziel erreicht, hast du auch mal vor den Fokus voll auf den Marathon zu legen?

Mario: Ja. Mein erster Marathon 2018 in Dublin war sehr speziell, weil ich ohne speziellem Marathontraining am Start gestanden bin. Die Vorbereitung war aufgrund eines Ermüdungsbruches genau vier Wochen, auch nicht gerade optimal. Ich muss aber sagen, dass mich der Mythos Marathon erfasst hat und ich seitdem öfters davon Träume, einmal beim “Vienna City Marathon” am Start zu stehen. Ich möchte mich in den nächsten drei Jahren auf den Unterdistanzen steigern und noch persönliche Bestzeiten erlaufen. In der jetzigen Situation ist mir meine Schnelligkeit viel Wert und ich laufe lieber zehn bis 15 kurze Wettkämpfe im Jahr als zwei große Marathons. Sicherlich wird der Marathon auch einmal das große Ziel werden, aber ich sehe mich derzeit auf den Distanzen 5000 Meter und 10000 Meter. Ich denke, dass ich meinen nächsten Marathon 2022 im Zuge der Polizei-EM in den Niederlanden/Eindhoven laufen werde.

Hdl: Wie gesagt, du bist Polizist. Was gefällt dir an deinem Beruf?

Mario: Ich liebe meinen Beruf und ich bin sehr froh, dass ich mich für diesen Weg entschieden habe. Es ist ein abwechslungsreicher Beruf bei dem Teamwork, Menschenverständnis und Zusammenhalt eine sehr wichtige Rolle spielt. Obwohl es sehr fordernd ist und man jeden Tag neuen Herausforderungen ausgesetzt wird, würde ich keinen anderen Berufsweg wählen. Ich habe es in den acht Jahren noch an keinem einzigen Tag bereut, Polizist geworden zu sein.

Hdl: Wenn du nicht gerade „sportelst“, was machst du dann in deiner Freizeit?

Mario: Meine Freizeit nutze ich zum Erholen. Ich treffe mich mit Freunden, gehe mit meinem Hund „Luna“ spazieren oder genieße es einfach auf der Couch zu liegen und gute Musik zu hören. Meine große Leidenschaft ist aber kochen. Seitdem ich in der Schule (Tourismusschule) vier Jahre kochen als Pflichtfach gehabt habe, beschäftige ich mich sehr viel mit dem Thema „kochen“ und „Ernährung“. Ich koche jeden Tag für meine Frau und mich. Aber auch meine Familie und Freunde lade ich gerne zu mir ein, um sie mit einem Abendessen zu verwöhnen.

Hdl: Viele Dank für das Gespräch und weiterhin eine verletzungsfreie Zeit!

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