Teil 69 (KW 41/2019): Maximilian Schwarzhuber

Hindernisse? Gibt es nicht!

Das eigene Kind wacht nach einem Mittagsschlaf mit einer Querschnittslähmung auf! Dieses Horrorszenario mussten die Eltern von Maximilian Schwarzhuber hautnah miterleben. Wie der heute 27-jährige Bayer damit als Jugendlicher umgegangen ist – und wie er zum ehrgeiziger Sportler wurde, könnt ihr im Helden-Interview #69 nachlesen.

Hdl: Hallo Maximilian. Du hast in deinem Leben schon viel erlebt. Ein normaler Mittagsschlaf änderte dein noch junges Leben komplett. Was passierte an diesem Tag?

Maximilian: Was genau an diesem Tag passierte kann bis heute niemand mit Gewissheit sagen. Fest steht, dass meine Füße unterhalb der Knie nach dem Mittagsschlaf gelähmt waren. Das sogenannte „Guillain-Barré-Syndrom“ wird später diagnostiziert. Im Krankenhaus konnte mir damals aber niemand helfen. Ich hatte großes Glück, dass die Lähmung nur so niedrig ausfiel. Ein höherer Querschnitt hätte ein Leben im Rollstuhl oder gar den Tod für mich bedeutet. Trotzdem hielt diese Erkrankung viele Herausforderungen für mich bereit.

Hdl: Wie bist du mit dieser Situation als Kind, oder später dann als Teenager umgegangen?

Maximilian: Bis ich in die Schule kam stellte die Erkrankung für mich kaum ein Problem dar. Erst als mir mehr und mehr bewusst wurde, dass ich mit meinen Kameraden nicht mehr mithalten konnte, empfand ich die Querschnittslähmung als Belastung. Damit ich einigermaßen stabil gehen konnte, bekam ich Orthesen. Vergleichbar mit den Schienen, die auch Forest Gump im gleichnamigen Film tragen muss. In der Grundschule wurde ich von meinen Mitschülern häufig gemobbt. Was in erster Linie auf meine fehlende Selbstakzeptanz zurückzuführen war. Bis ich etwa 16 Jahre alt war hatte ich immer wieder mit schweren Depressionen zu kämpfen. Erst mit der Zeit wurde mir bewusst, dass ich mich um meine Persönlichkeitsentwicklung kümmern muss, damit ich ein Leben frei von Selbstzweifel und Angst führen kann.

Hdl: 2017 war ein sehr entscheidendes Jahr in deinem Leben, dir wurden beide Unterschenkel amputiert. Heute bist du ein ehrgeiziger Ausdauer-Sportler. Was ist in dieser Zeit passiert?

Maximilian: Als ich nach der Amputation im Aufwachraum der Unfallklinik Murnau aufgewacht bin, habe ich mir sofort ein Ziel gesetzt: Ich wollte 136 Tage später am „Lauf10!“ in meinem Heimatort Wolnzach teilnehmen. Vier Tage nach der OP begann ich mit dem Training und plante die Zeit bis zu meinem ersten Zehn-Kilometer-Lauf auf Prothesen genau ein. Nach sechs Wochen bekam ich meine neuen Füße aus Karbon. Da ich mein Gleichgewicht immer schon mit meinen Knien und Hüfte regulieren musste, konnte ich sofort mit den Prothesen gehen. Ein Glücksfall! Währen meiner Zeit auf Reha begann ich langsam mit dem Lauftraining. Bald stellte sich heraus, dass ich den Lauf tatsächlich schaffen kann.

Hdl: Wie war der erste Lauf nach der Amputation?

Maximilian: Kaum zu beschreiben. Der Lauf hatte für mich so viele Bedeutungen in einem vereint. Zum einen erfüllte ich mir meinen lang ersehnten Wunsch wieder laufen zu können. Aber auch die damit verbundene Freiheit war für mich unfassbar wichtig. Auch die eigene Bestätigung, dass ich diesen Kraftakt so kurz nach der Amputation vollbringen konnte. Dieser Lauf bedeutete für mich den manifestierten Beweis, dass sich mein Leben nun endgültig völlig gewendet hat. Der Schwall an Emotionen und Glücksgefühlen im Zielmoment ist überwältigend und hat mir damals sofort Lust auf noch viel mehr gemacht.

Hdl: Auf welche Laufhighlights kannst du schon zurückblicken?

Maximilian: Bisher bin ich drei Mal den „Lauf10!“ in meinem Heimatort Wolnzach gelaufen. Meine Bestzeit ist 53:20 Minuten. Im Februar 2019 habe ich in Ismaning meinen ersten Halbmarathon gefinisht.

Hdl: Einen Triathlon hast du ebenfalls schon absolviert, wie waren die Gefühle danach?

Maximilian: Die Gefühle danach sind unbeschreiblich. Eine Mischung aus felsenfestem Selbstvertrauen und Erleichterung. In einem Moment bekommt man die Belohnung für viele Wochen und Monate harter Vorbereitung und der Schmerzen. Der Schmerz geht, der Stolz aber bleibt. Unfassbar. Trotzdem kann ich dem bunten Cocktail an Emotionen mit meiner Beschreibung nicht annähernd gerecht werden. Wer wirklich verstehen will, wie es sich anfühlt, muss es selbst erleben. Einen größeren Booster für das Selbstvertrauen kann ich mir kaum vorstellen.

Hdl: Wie sieht eine normale Trainingswoche bei dir aus?

Maximilian: Eine normale Trainingswoche gibt es bei mir nicht wirklich. Meinen Trainingsplan muss ich häufig anpassen, da mir Druckstellen an den Stümpfen immer wieder einen Strich durch die Rechnung machen. Dann muss ich schon einmal spontan eine Laufeinheit durch eine Radeinheit ersetzen. Oder es ist auf Grund eines geschwollenen Stumpfes nur eine Schwimmeinheit möglich. Aktuell trainiere ich auf den Generali-München-Marathon. Dafür halte ich mich an ein Trainingspensum von etwa vier Einheiten pro Woche.

Hdl: Welche sportlichen Ziele hast du für die Zukunft?

Maximilian: Wie gesagt, am 13. Oktober 2019 steht mein erster Marathon in München an. 2020 möchte ich die Alpen von München nach Venedig mit dem Rennrad in unter 24 Stunden überqueren. Außerdem steht nächstes Jahr die Mitteldistanz in Ingolstadt auf dem Plan. Den ein oder anderen Berg in den Alpen möchte ich auch noch besteigen. 2021 setze ich mir mit dem Ironman auf Hawaii mein ganz großes Ziel. Damit würde für mich ein ganz großer Traum in Erfüllung gehen.

Hdl: Was machst du beruflich?

Maximilian: Meine Erfahrungen und Erkenntnisse im Umgang mit meinem Handicap und dem Sport möchte ich mit vielen Menschen teilen. Genau das mache ich in meinem Beruf als Vortragsredner. In meinem Leben habe ich bereits viele Tiefen durchlebt. Dadurch durfte ich aber lernen, wie ich mich selber motivieren kann, mein Selbstvertrauen stärke und das Leben mit Humor und Lebensfreude sehen kann. Fähigkeiten, die jeder erlernen und trainieren kann. Das vermittle ich auf meinen Vorträgen und Seminaren.

Maximilian nach seinem ersten Triathlon

Hdl: Welch Hobbys, außer dem Sport, hast du noch?

Maximilian: Für mich war das Musik spielen schon immer ein äußerst wichtiges Hobby. In der bayerisch, traditionellen Volksmusik spiele ich Trompete, Bariton und Tuba. Die Musik hat mir vor allem während meiner langen Krankheitsphase immer wieder Lebensfreude und Mut gegeben. Leider kommt die Musik in meinem Leben immer kürzer, da ich sehr viel Zeit für meinen Beruf als Redner aufwände.

Hdl: Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für deine Zukunft.