Ohne Schweiß kein Preis!

Liebe Leser!

Hand auf’s Herz: Wer von euch schwitzt gerne? Wem ist es unangenehm? Ich meine – klar, die meisten von euch gehen wahrscheinlich öfter laufen – oder anderen Aktivitäten nach, bei denen Schwitzen als Nebeneffekt auftritt. Auftreten muss!

Aber ist das Schwitzen ein notwendiges Übel, oder ist es manchen von euch wirklich egal, wenn bei einer harten Einheit übermäßiges Schwitzen auftritt? Zur Vollständigkeit, hier wieder der entsprechende Lexikon-Eintrag zum Thema: “Schweiß (griechisch ἱδρώς hidrós) ist ein von der Haut des Menschen und anderer Säugetiere über so genannte Schweißdrüsen abgesondertes wässriges Sekret. Der Vorgang des Schwitzens wird auch als Transpiration bezeichnet. Eine übermäßige, krankhafte Absonderung von Schweiß wird als Hyperhidrose bezeichnet, bei einer reduzierten oder völlig fehlenden Schweißproduktion spricht man von Hypo- oder Anhidrose.” Hm. Also ich kann nur von mir selbst sprechen, unbedingt mögen tu ich das Schwitzen nicht. Andererseits, es wäre bei Sportlern nicht auszudenken, wenn man nicht schwitzen könnte! Stellt euch mal vor: keine Möglichkeit, sich abzukühlen. Zwar bleiben die nervigen Rinnsale an salzigem Sekret aus, die einem bisweilen in die Augen tropfen, und für unschöne Spuren an Textilen entlang der Wirbelsäule oder unterhalb der Achseln sorgen… aber man würde sich fühlen, wie in einer 90 Grad Sauna. Oder als würde man permanent einen Ganzkörperanzug aus irgendeinem synthetischen Material wie Gummi oder Latex tragen. Keine angenehme Vorstellung! Schwitzen hat natürlich einen Sinn, wie fast alle unserer geschätzten (oder auch manchmal weniger geschätzten) Körperfunktionen. Einerseits wäre da die Temperaturregulation. Um die Körpertemperatur immer annährend konstant zu halten (ich sage “annährend”, weil durch anstrengenden Sport die Körpertemperatur vorübergehend meist trotzdem etwas ansteigt) – wird durch die Verdunstungswärme von Schweiß, der sich als wässriges Sekret auf der Haut gebildet hat, und dann in Wasserdampf übergeht, Wärme vom Körper abgegeben. Fun Fact: Tropft der Schweiß zu Boden, bevor er verdunstet ist, dann war er für die Kühlung des Körpers also umsonst.

Wie ihr Sportler bestimmt alle wisst, gehen beim Schwitzen auch Elektrolyte verloren, allen voran Natrium-, Chlorid- und Kaliumionen. Aber auch Laktat, sowie geringe Mengen an Aminosäuren und Zucker werden ausgeschwitzt. Dies könnte erklären, warum sich Marathonläufer, mich selbst inklusive, beim gemeinsamen Essen nach einem Rennen oftmals um den Salzstreuer streiten 🙂 Aber im Ernst: wer die verlorene Flüssigkeit nur mit klarem Wasser, ohne die Zugabe von Elektrolyten (“Isostar”) auffüllt, der läuft ernsthaft Gefahr, mit einer Elektrolytentgleisung in der nächsten Notaufnahme zu landen. Ich spreche hier von Extremfällen – aber es ist durchaus schon vorgekommen, dass (unerfahrene) Marathonläufer nach dem Rennen mehrere Liter Wasser in sich reingekippt haben, um dann ein paar Tage später auf der Intensivstation wieder aufzuwachen. Also bitte, trinkt brav eure Iso-Getränke!

Jetzt noch kurz zur zweiten wichtigen Funktion von Schweiß, und zwar der Signalwirkung. Ab der Pubertät sondern wir nämlich auch Duftstoffe, sogenannte Pheromone über den Schweiß ab. Es ist wissenschaftlich bei Menschen zwar nicht gut belegt, aber im Tierreich spielt das Wahrnehmen dieser Botenstoffe bei der Fortpflanzung eine große Rolle. Beim Menschen – je nach Studie – vielleicht eher eine untergeordnete Rolle. Allerdings, der Ausspruch “den kann ich nicht riechen…” deutet schon darauf hin, dass wir unbewusst Geruchsstoffe auf der Haut unserer Mitmenschen wahrnehmen, und dann ebenfalls unbewusst Sympathie oder eben das Gegenteil für diese Person empfinden. Übrigens unabhängig davon, wie gut gepflegt ein Mensch ist! Pheromone kann man angeblich weder durch Duschen/Waschen, noch durch Parfums oder Deodorants völlig eliminieren. Das unterbewusste Wahrnehmen der ganz individuellen Pheromon-Konstellation einer Person funktioniert trotzdem!

Die Conclusio: Schwitzen ist wichtig, für Sportler sogar umso mehr (denn das Ausüben von anstrengenden und fordernden Trainingseinheiten wäre ohne Schwitzen nicht möglich – wir würden einen Hitzekollaps bekommen). Schwitzen ist aber auch unangenehm. Viele Menschen schämen sich sogar für übermäßiges Schwitzen und führen dies sogar als Grund an, keinen Sport zu treiben. Und älterer Schweiß, der auf der Haut verbleibt weil nicht geduscht wurde, der wird leider von Bakterien so umgewandelt, dass relativ unangenehme Gerüche entstehen. Die gute Nachricht: frischer Schweiß ist fast völlig geruchlos.

Und da man beim schnellen Laufen, abhängig natürlich von der Umgebungstemperatur, auch mal gut einen Liter pro Stunde ausschwitzen kann, sollte man daran denken und die verlorene Flüssigkeit vor, während und nach dem Training am besten mit elektrolythaltigen Drinks wieder auffüllen.

Wasser und Iso zu mischen ist natürlich auch eine Option, gerade wenn es sehr heiß ist und man absolut keine Lust auf ein besonders picksüßes Getränk hat.

Und zu guter Letzt: nicht Schwitzen ist halt auch keine Lösung. Denn, ihr wisst ja: ohne Schweiß kein Preis.

Eure Liesl

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