Race-Walking – Die Kunst des „nicht Abhebens“

Autor: Mario Friedl (36) aus St. Martin im Innkreis.

Race-Walking – oder auch „schnell gehen“ genannt – da haben viele das Bild von „Hal“ aus „Malcom Mittendrin“ und seinen roten Sportanzug vor Augen. Diese Sportart wurde in der humorvollen 2000er-Sitcom etwas ins Lächerliche gezogen. Generell wird dieser Sport eindeutig zu Unrecht belächelt. Was ist das faszinierende am Race-Walking? Wir haben uns diese Disziplin mit einem Experten mal genauer angesehen. Markus Reifinger aus Natternbach/Oberösterreich, ist einer der besten „Geher“ Österreichs und ist seit Jahren international im Einsatz.

Hal alias Bryan Cranston in “Malcolm mittendrin”

„Ich suchte eine Alternative, um meinen Körper etwas zu schonen“

Vorneweg ist gleich eines klarzustellen: Gehen ist nichts Gemütliches. Der Weltrekord über die 50-Kilometer-Distanz z. B. liegt bei 03:32:33 Stunden, oder anders gesagt: 04:15 Minuten pro Kilometer! Einer der das bestätigen kann ist Markus Reifinger von der LG Innviertel. Markus hält in Oberösterreich von 3.000 Meter bis 30 Kilometer alle Rekorde. „Ich bin mit Mitte 30 vom Fußball zum Laufen gekommen und hatte aber später immer mehr mit Verletzungen zu kämpfen. Daraufhin suchte ich eine Alternative um meinen Körper etwas zu schonen. Meine damalige Vereinskollegin von der „IGLA Long Life“, Gabriela Winkler (ehemals Atitoresei), brachte mich auf die Idee es einmal mit dem Gehen zu versuchen. Seit dem hat mich das Gehfieber gepackt“, so der 59-jährige Beamte. 25 Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften im Masters-Bereich (beginnt ab 35 Jahren) und der österreichische Rekord in der Altersklasse M50 über 3.000 Meter in 14:32 Minuten zeigen, dass diese Entscheidung die Richtige war.

Durchgestreckte Beine und ständiger Bodenkontakt

„Der größte Unterschied zum Laufen sind die durchgestreckten Beine und der ständige Bodenkontakt, daher sieht das Ganze von außen auch etwas lustig aus“, sagt Reifinger. Begeht man im Wettkampf einen Regelbruch, wird man nach der zweiten roten Karte disqualifiziert. Das Training unterscheidet sich gar nicht so extrem vom Laufsport, auch hier werden schnelle und langsame Einheiten absolviert. Natürlich steht auch die ein oder andere Laufeinheit am Plan.

Markus Reifinger (LG Innviertel)

Als Fußballer: 02:33 Minuten für 1.000 Meter

Warum Reifinger beim „Gehen“ so erfolgreich ist? Ganz einfach! Der ehemalige Fußballer und Torschützenkönig der Union Natternbach (drittniedrigste Klasse in Österreich), hatte schon immer Talent für den Ausdauersport. Noch in seiner aktiven Zeit als Fußballer lief Reifinger die 1.000 Meter in 02:33 Minuten (!). Wenig überraschend wurde der Natternbacher im Laufe der Zeit in den Masters-Klassen von 800 bis 3.000 Metern einige Male Staats- und Landesmeister. „Es war eine unglaublich tolle Zeit damals. Ich hatte das Glück mich mit den besten Läufern Österreichs, wie z. B. Wolfgang Konrad oder Ditmar Milonig, messen zu dürfen.“ Heute ist Reifinger noch immer fleißig unterwegs und erst vor kurzem war er bei der Leichtathletik-EM in Venedig am Start. Leider haben ihn eine (mittlerweile überstandene) Krebserkrankung und einige muskuläre Probleme in den letzten Jahren etwas zurückgeworfen. Seine Erfolge, national sowie auch international, kann dem LG Innviertel-Athleten jedoch keiner mehr nehmen und auf diese ist er auch zu Recht stolz.