Rainer Predl beim Sahara-Marathon: “Wir sollten dankbar sein, dass wir hier in Frieden leben dürfen”

Ultraläufer Rainer Predl konnte letzte Woche beim Sahara-Marathon auf Platz drei laufen. Der Niederösterreicher benötigte in der Wüste 03:03:19 Stunden. Mehr über diesen ganz besonderen Lauf, welcher von Flüchtlingen organisiert wird, gibt es hier im Interview.

©Rainer Predl

Veranstaltungsort und Geschichte:

Politisch gesehen, war die Westsahara vor vielen Jahren eine spanische Kolonie. Nach dem Abzug der Spanier aus der Westsahara, beanspruchte Marokko selbige für sich. Doch in der Westsahara lebte das Nomadenvolk der Sahauris, welche ins Fadenkreuz dieses Konflikts eingebunden wurde. Diese wehrten sich ihr Land zu verlassen und es kam zu einem blutigen Kampf zwischen Marokko und den Sahauris. Die UN schaffte es, einen Waffenstillstand zu vereinbaren, doch Marokko annektierte weiterhin einen Teil der Westsahara. Der andere Teil wird von der Frente Polisario (Militär der Sahauris) bewacht. Marokko errichtete eine 1.500-Kilometer lange Landminen Wall, welche von den Sahauris als “Mauer der Schande” betitelt wird. Daraufhin bot Algerien den Sahauris Asyl in ihrem Land an. Kurz darauf baute die UN Flüchtlingslager in Smara auf. Doch das Problem dort ist, dass es kaum Wasser gibt, da es inmitten der Wüste liegt. Für Marokko ist die Westsahara sehr von Bedeutung (Fischfang, ÖL und andere Rohstoffe). Seit mehr als 40 Jahren leben die Sahauris im Exil und fristen ihr Dasein im UN-Lager – ihre Hoffnung? Irgendwann ihr Land wieder besiedeln zu können! Es ist quasi ein vergessener Konflikt der eingefroren ist, aber jederzeit wieder ausbrechen kann. Die Demokratische Republik Sahara wird von einigen Ländern anerkannt, aber eben nicht von allen. Der Hauptsitz ist in Tindouf.

©Rainer Predl

Helden des Laufsports: Erstmals Gratulation zu Platz drei beim Sahara Marathon. Für alle die den Lauf nicht kennen, was erwartet die Teilnehmer dort?

Rainer: Vielen Dank! Die Teilnehmer erwartet: Hitze, viel Staub, ein schöner selektiver und nicht ganz so einfacher Marathon. Aber auch viel Herzlichkeit von Organisation und Einwohnern.

Hdl: Jetzt zum Rennen selbst. Bist du mit Platz drei und deiner Zeit zufrieden? Wie verlief der Wettkampf aus deiner Sicht?

Rainer: Ja! Natürlich wollte ich den ersten Platz erreichen, aber aufgrund der Umstände, bin ich mehr als glücklich Österreich aufs Podest gebracht zu haben. Die ersten zehn Kilometer konnte ich in 36 Minuten absolvieren, wohlwissend, dass die restliche Strecke Dünen und viel Sand beinhaltet. Bis Kilometer 25 war ich in Front, bei Kilometer 32 bekam ich jedoch schnell Magenkrämpfe, musste aufs Örtchen und mich übergeben. Man muss hier erwähnen, dass wir mehrere Tage bei den Sahauris wohnten. Wir aßen und tranken was wir dort bekommen konnten. Viele Kinder tranken teilweise aus unseren Wasserflaschen, es sei ihnen aber natürlich auch vergönnt. Nur das Problem sind hier die Keime, davor wurden wir allerdings auch ausdrücklich immer gewarnt. Einmal aus der falschen Flasche getrunken, hat das schwere Folgen. Nach diesem Zwischenstopp hatte ich gleich das nächste Problem an der backe: Dehydrierung! Durch den immensen Flüssigkeitsverlust bekam ich Kopfschmerzen. Ein Militärfahrzeug kam mir entgegen. Ich machte mich zwar bemerkbar, aber leider fuhr das Auto vorbei. Die nächste Labestelle war einige Kilometer entfernt und ich musste zu diesem Zeitpunkt schon hart um meinen dritten Platz kämpfen. Laufend, aber auch gehend, bin ich bei der nächsten Labestelle angekommen. Danach ging es mir auch gleich wieder besser – leider kostete mir das Ganze zehn Minuten.

Hdl: Der Lauf ist ein klassischer „Predl-Lauf“, sprich ein Charitylauf! Stimmt es, dass der Lauf von Flüchtlingen organisiert wird?

Rainer: Ja. Viele denken der „Marathon de Sable“ ist der legendärste Marathon in der Königskategorie 42,195 Kilometer, aber eigentlich ist es der Sahara-Marathon – nicht mehr und nicht weniger. Alle die mich schon länger kennen wissen, dass es mir eine Herzensangelegenheit ist, etwas Gutes zu tun. Der Lauf soll auf den Westsahara Konflikt zwischen Sahauri und Marokko aufmerksam machen. Die Teilnehmer leben in dieser Zeit bei ihren Gastfamilien, den Sahauris. Wir lernen ihre Kultur und Gastfreundschaft kennen. Das schweißt sehr zusammen. Viele von Ihnen sind sehr gebildet und freuen sich, wenn wir Europäer zu Besuch kommen. Ja, der Marathon ist die einzige „Normalität“ in diesem Flüchtlingslager. Als ich wieder in Österreich angekommen bin, war ich nicht imstande einen Bericht zu schreiben, da ich noch immer sehr traurig war, weil ich diese Menschen zurücklassen musste. Es sind wirklich herzensgute Menschen die nicht flüchten wollen, sondern einfach nur wieder in ihre Heimat zurückkehren möchten. Dafür unterstütze ich diese Menschen jederzeit und gerne. Das sportliche ist hier zweitrangig.

Hdl: Seit wann bist du wieder zuhause und was bleibt dir von diesem Trip in Erinnerung?

Rainer: Ich bin seit 01. März wieder in Europa. Ich hatte noch einen kurzen Stopp in Madrid gemacht, wo mich die Corona-Hysterie der Menschen gleich erwischt hat. Aber daran verschwende ich keinen einzigen Gedanken. Ich lebe im Hier und Jetzt, und hab mit sehr viel Demut Algerien wieder verlassen. Wenig Wasser, monotones Essen, aber Menschen die sich gegenseitig unterstützen und eine Familie sind, das habe ich mitgenommen und hat mich mehr als schwer beeindruckt. Eins ist klar: Wir sollten dankbar sein, dass wir hier in Frieden leben dürfen!

Hdl: Was ist dein nächster Wettkampf?

Rainer: Fixpunkt ist der von 07.05 bis 13.05 stattfindende Sechs-Tages-Lauf in Ungarn. Vielleicht lauf ich auch beim Lasseer Benefizlauf, meinem Heimrennen, die sechs Stunden. Am 30.10 eventuell in Erbil den Marathon in Irak. Mein Ziel ist es generell, dass ich mich etwas vom Mainstream absetzten und Menschen in Krisengebieten helfen kann. Für mich als Person ist das dort nicht medienwirksam, aber es ist mir einfach extrem wichtig. Bis dahin allerdings, beobachte ich die politische Situation dort ganz genau und entscheide dann über ein mögliches Antreten beim Lauf.

Alle Ergebnisse:

1. Lehsen Sidahmed (Algerien)                       6. – Sidati Salama (Algerien)
2. – Joel Barrio (Spanien)                                 7. – Ruiz Gonzalez (Spanien)
3. – Rainer Predl (Austria)                                8. – Ben Bostwick (England)
4. – El Buljari (Algerien)                                    9. – Jorge Matinez (Spanien)
5. – Sandro Riedo (Schweiz)                           10. – Örjahn Anhoff (Schweden)

©Rainer Predl
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