Simon Boch läuft Olympianorm: “Die Verschiebung war ein Geschenk”

Simon Boch (LG Telis Finanz Regensburg) legte am 21. März ein sensationelles Marathon-Debüt hin und blieb in Dresden bei einem Eliterennen auf Anhieb unter der geforderten Olympia-Norm von 02:11:30 Stunden. Der 26-Jährige beendete das Rennen nach 2:10:48 Stunden. Wie er den Wettkampf, den er als Sieger beendete, erlebte und wie es nun weitergeht, hat er uns im Interview mit „Helden des Laufsports“ verraten.

Foto: @nwilhelmi

Helden des Laufsports: Wie verlief das Rennen aus deiner Sicht?

Simon Boch: Ich war für das Rennen sehr gut vorbereitet. Das Training verlief reibungslos und ich hatte keine größeren Verletzungsprobleme. Ich musste im Rennen allerdings ziemlich schnell feststellen, dass die äußeren Umstände für meinen Tag X alles andere als optimal sind. Mein Pacemaker musste leider aufgrund des starken Windes nach Kilometer 12 schon aus dem Rennen aussteigen und der Wind machte den Lauf für die kurze 2,5-km-Runde immer wieder zu einem Kampf gegen die Strecke anstatt zu einem Kampf gegen die Zeit. Im Rennen selbst fühlte ich mich sehr gut und in einer Topform. Jedoch merkte ich ab dem ersten Meter, dass das Wetter gegen mich spielt und mein Marathondebüt und mein Traum von Olympia heute eine enorme Herausforderung darstellen würden.

“Das Wetter war alles andere als optimal, aber ich fühlte im Rennen, dass ich in Topform bin”

Simon Boch lief in Dresden Olympianorm.

Der Lauf fand ja auf einer flachen 2,5-km-Runde statt. Ist so eine kurze Runde nicht langweilig?

Nein, da ich mich von vornherein darauf einstellen konnte und es für mich keinen Unterschied macht, ob ich die 42,195 Kilometer in einer Runde oder in 16 laufe. Ganz im Gegenteil, kann eine solche Strecke sogar Vorteile mit sich bringen. So konnte ich immer wieder von der Unterstützung meines Teams profitieren und daraus neue Energie ziehen. Außerdem entfiel durch die kurze Runde auch der Druck bei der Getränkeaufnahme. Des Weiteren ist es auch so, dass man dem Veranstalter ein großes Dankeschön für die Bereitstellung einer so guten Strecke aussprechen muss. Nur durch eine so tolle Vorbereitung und Organisation bekommt man aktuell überhaupt die Chance, so ein Rennen laufen zu dürfen.

Drei deutsche Marathon-Männer dürfen zu den Spielen nach Tokio. Du bist aktuell auf Platz drei. Jetzt heißt es zittern, dass kein anderer Läufer schneller bist als du! Wie gehst du jetzt damit um?

So ist der Sport. Natürlich bin ich enttäuscht, dass mir das Wetter nicht ermöglicht hat, einen schnelleren Marathon zu laufen, um so eine größere Chance auf das Ticket zu erhalten. Jedoch hat erst die aktuelle Situation mit Corona zu einer Verschiebung der Spiele geführt und mir so die Chance gegeben, mich zu qualifizieren. Diese Chance sehe ich als Geschenk und bin auch froh die Norm geschafft zu haben. Hätten die Spiele letztes Jahr regulär stattgefunden wäre ich gar nicht in der Situation. Ich versuche das Ganze also positiv zu sehen.

“Natürlich wäre ein schnellerer Lauf möglich gewesen! Allerdings habe ich nur eine Chance in Tokio dabei zu sein, weil die Spiele auf dieses Jahr verschoben wurden. Diese Chance sehe ich als Geschenk”

Simon Boch hat zwar das Olympialimit geknackt, muss aber noch warten, ob nicht doch noch ein deutscher Läufer schneller läuft als er und ihm das Ticket wegschnappt.

Wie sah dein Training in den letzten Wochen aus?

Ich habe vier Wochen meiner intensiven Vorbereitung in Kenia verbracht. Es war meine erste Marathonvorbereitung und ich habe hier viel Wert auf die Longruns gelegt.

Sind die nächsten Wettkämpfe schon geplant?

Das ist aktuell mit Corona natürlich immer etwas schwierig. Erst einmal werde ich meinen Fokus – was die Wettkämpfe angeht – wieder auf die 10.000 m verschieben. Hier stehen wichtige 10-km-Rennen wie die deutschen Meisterschaften an. Anfang Juni hoffe ich den Europacup in Birmingham laufen zu können.

Alle Ergebnisse von Dresden.

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