Teil 27 (KW 50/2018): Stefan Mayer

Stefan Mayer ist 47 Jahre und leidenschaftlicher Läufer und Obmann des LTV Köflach. Der zweifache Familienvater hat in 35 Jahren Laufsport viel erlebt. Einiges davon erzählt er uns im Interview der Woche.


Helden des Laufsports: Bevor wir zu deiner Aktivität als Obmann des LTV Köflach kommen noch kurz zu dir als Läufer. Du läufst seit mittlerweile 35 Jahren. Begonnen hast du mit 12, welche waren deine größten Erfolge als Läufer?

Stefan: Meine schönsten Erfolge waren die Medaillen bei steirischen Crosslauf-Meisterschaften, 10.000 Meter- und Halbmarathonrennen bzw. beim Wintertriathlon wo auch das Langlaufen, eigentlich meine Lieblingssportart, ein Teil des Bewerbs ist. 

Hdl: Deine Halbmarathonbestzeit liegt bei 01:13:58 Stunden. Wo bist du diese gelaufen und wie war das Rennen?

Stefan: Das war in Strass im Jahr 2005. Für mich persönlich hatte allerdings der Halbmarathon 1995 in Völkermarkt, hier bin ich bei 31 Grad nach 01:14 Stunden ins Ziel gekommen, mehr Stellenwert. 18 Monate zuvor hatte ich „nur“ eine Bestzeit von 01:25 Stunden stehen!

Hdl: Wie viel Trainingseinheiten absolvierst du aktuell pro Woche?

Stefan: Zwischen fünf bis neun Einheiten pro Woche. Wobei es in Summe sieben bis zwölf Stunden sind. Im Sommer aufgeteilt auf 70 % Laufen, 15 % Radfahren bzw. Biken, 10 % Krafttraining und 5% Skirollerfahren. Im Winter, wenn es auf der Hebalm wieder Schneegibt, erhöht sich der Trainingsumfang auf 15 Stunden die Woche. Samstag und Sonntag bzw. zwei Mal nach der Arbeit versuche ich die Langlaufski anzuschnallen und hier zwischen 30 bis 70 Kilometer am Stück pro Training zu laufen. Das normale Lauftraining wird hier dann natürlich auf 30 bis 40 Kilometer pro Woche reduziert.

Hdl: Hattest du in 35 Jahren Laufsport auch mal schlimmere Verletzungsprobleme?

Stefan: 33 Jahre eigentlich gar nichts, dann kam der 4. Dezember 2016. Am Wahlsonntag zur Bundespräsidentschaftswahl bin ich mit zwei Freunden zum ersten Schneetraining nach St. Jakob im Walde gefahren. Beim Warmlaufen nach ca. zwei Kilometern bin ich in einer 180 Grad Kurve, die ich in den Jahren zuvor schon etliche Male gelaufen bin, so blöd gestürzt dass ich mir dabei einen Oberschenkeltrümmerbruch zugezogen habe. Ich hatte einen Bluterguss der so groß war wie ein Handball. 45 Minuten musste ich am Unfallort auf den ÖAMTC Hubschrauber warten und durfte mich kaum bewegen. Ich wurde ins UKH Graz geflogen und sofort operiert. Bei der Operation wurde mir der Oberschenkelknochen aufgebohrt und ein 42 Zentimeter langer Eisenstab eingeschlagen. Nach der Operation bin ich mit einem megadicken Oberschenkel und vollgedröhnt mit Schmerzmittel aufgewacht. Erst Tage später wurde mir klar warum mich der Arzt mehrmals täglich besucht hatte. Er überprüfte ob durch den Sturz und die Umlagerung in den Heli irgendwelche Blutgefäße im Bein verletztwurden, sonst hätte mir wohl das Bein amputiert werden müssen! Soweit kam es dann Gott sei Dank doch nicht.

Meine Sorge nie wieder Sport machen zu können war groß, aber schon in der REHA war ich schon wieder auf Langlaufskiern unterwegs. Meine Familie und mein LTV-Team haben mich in den darauf folgenden Wochen und Monaten unterstützt und motiviert nicht aufzugeben. Meine erste Laufeinheit absolvierte ich im Sommer 2017 und heute kann ich die 10-Kilometer schon wieder in 38:30 Minuten laufen. Dieses Comeback werte ich eigentlich als meinen sportlich größten Erfolg.

Hdl: Im Vorgespräch hat man einen stolzen Obmann rausgehört der auch Gründungsmitglied des LTV Köflach ist. Erzähl uns etwas von der Entstehungsgeschichte des LTV Köflach.

Stefan: Ich war als Kind beim Urverein der Weststeiermark, dem LAC Kainach wo damals auch ein gewisser Helmut Stuhlpfarrer (zweimaliger Vizeweltmeister im Berglauf mit einer Marathonbestzeit von 2:13 Stunden) im Verein war. Ich kannte daher das Vereinsleben bzw. die Vorteile eines solchen Vereins. Aus dem LAC Kainach wurde Anfang der 90er der TUS Kainach, der dann leider von Jahr zu Jahr immer weniger an Kraft und Leidenschaft zeigte und es der Vereinsspitze, trotz zahlreicher Top-Einzelsportler, nicht gelang eine Mannschaft daraus zu formen. Mit dem Vorsatz es besser und vor allem mit mehr Leidenschaft und Einsatz zumachen hatte ich Ende 2009 mit rund 15 weiteren Personen den LTV Köflach gegründet. Unser großes Ziel war bei steirischen Meisterschaften auf das „Stockerl“ zu laufen. Dass wir z. B. heute, 8 Jahre später, national bei allen sechs „Nicht-Stadion-Meisterschaften“ immer mit einer Mannschaft ( manchmal sogar zwei) neunmal am Podest gestanden sind und zweimal sogar Staatsmeister bzw. österreichische Meister wurden, hätte ich niemals zu träumen gewagt.

Hdl: Im Jahr 2018 hat der LTV mit der Mannschaft in sechs Disziplinen einen Stockerlplatz bei Staatsmeisterschaften erreicht. Eine sensationelle Leistung. Was ist das Erfolgsgeheimnis?

Stefan: Mit Sicherheit das breit aufgestellte, im Durchschnitt sehr junge Team, wo gerade bei Mannschaftsentscheidungen die Mädels und Jungs wie die Löwen um jede Sekunde für einander kämpfen. Als einziger Verein sind wir Staatsmeister über dreimal 1.000 Meter der Herren und österreichischer Meister im Bergmarathon. Zwei völlig unterschiedliche Sportarten und dennoch in einem Verein vereint, was zeigt wie breit wir aufgestellt sind.

Der schönste Moment war sicher im Jahr 2016 als wir in Köflachdie Crosslauf Staatsmeisterschaften ausgetragen haben. ÖLV Trainer Günther Weidlinger sprach damals von den organisatorisch besten Crossmeisterschaften der letzten 20 Jahre. Meine „Buam“ wurden damals auch noch Staatsmeister.

Hdl: Dein Motte lautet: „Lieber auf 10 Kilometer eine 33er Zeit und gesund/verletzungsfrei sein als eine 31er Zeit laufen und ständig Probleme zu haben“. Wie ist das genau gemeint und nehmen deine Schützlinge diesen Rat an?

Stefan: Die meisten Teammitglieder sind im Alter zwischen 15 und 27 Jahren, da geht bei intensivem Training gleich mal was weiter was Leistung betrifft. Die Gefahr sich durch zu viel oder zu einseitigem Training zu verletzen ist gerade dann wenn die Jungen sehr motiviert sind sehr groß. In einem starken Team wollen die „Schwächeren“ oft den „Stärkeren“ zu schnell nacheifern, da ist Geduld gefragt und oft ist es eben besser etwas langsamer aber dafür gesund durchs Laufjahr zu kommen.

Hdl: Was waren die größten Vereinserfolge?

Stefan: Sicher der erste Staatsmeistertitel im Crosslauf. Das war damals in Enns mit Sostaric, Rois und Weberhofer wo die „Buam“ den großen Favoriten „Kolland“ bezwingen konnten. Ebenfalls toll war der Titel im Berglauf mit den Jungs rund um Seibald, Schriebl und Gärtner und eben der Crosslauftitel zuhause. Sehr stolz bin ich auch auf unser Mädlsteam welches auf mittlerweile 25 Mädchen und Damen angewachsen ist. Hier konnten wir als Team Silber im Marathon, über 10.000 Meter auf der Straße Bronze, im Crosslauf und zuletzt inGraz beim Halbmarathon Silber holen.
 
Hdl: Eine ehrenamtliche Aufgabe wie du es ausübst kostet oft viel Kraft. Bist du schon amtsmüde oder noch voll motiviert bei der Sache?

Stefan: Um für meinen damals 13-Jährigen Sohn und meiner Familie mehr Zeit zu haben bin ich im Sommer 2016 beruflich etwas kürzer getreten. Natürlich auch wegen meinem Verein. Auf das Jahr gerechnet investiere ich vier bis sechs Stunden pro Woche in den LTV Köflach. Ich bin mit den Jungs und Mädls bei jeder Meisterschaft mit dabei und kümmere mich dort um die Dinge die halt so anfallen sodass sich die Athleten voll auf die Wettkämpfe konzentrieren können.

Hdl: Wie sieht dein sonstiger Alltag neben deiner Aufgabe als Obmann aus?

Stefan: Neben meiner Arbeit bei der österreichischen Post AG, „schupfe“ ich von Montag bis Donnerstag den Haushalt da meine Frau Vollzeit in Graz beschäftigt ist. Trotz Wäsche und Garten bleib für ein bis zwei Stunden Training immer Zeit.

Hdl: Danke für das Gespräch und noch viel Erfolg für dich und deinen Verein!

Stefan: Danke und liebe Grüße, Stefan

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