Teil 56 (KW 27/2019): Anna Pabinger


Anna Pabinger ist eine erfolgreiche österreichische Triathletin. Die 30-jährige Ärztin für Allgemeinmedizin konnte national sowie auch international schon große Erfolge feiern. Aktuell warten die Athletin des „Tri Team Wels“ und ihr Mann Daniel auf ihren ersten Nachwuchs. Natürlich sprechen wir im Helden-Interview #56 auch darüber.

Helden des Laufsports: Hallo Anna. Wann und wie bist du zum Laufen gekommen?

Anna: Ich laufe mittlerweile schon recht lange. Mein Stiefvater, der ein sehr ambitionierter Sportler ist, hat mich und meine drei Schwestern im Jahr 2004 zum Marktlauf nach Kremsmünster mitgenommen. Wir sind dort bei den Kinderläufen an den Start gegangen. Ich bin zuvor noch nie Laufen gewesen, war aber schon immer ein sehr ehrgeiziger Mensch. Trotz mieser Renneinteilung, konnte ich an diesem Tag das Rennen gewinnen. Meine Neugier für den Laufsport war geweckt. Ab diesem Zeitpunkt – damals noch ohne Plan und ohne Trainer – habe ich die Laufschuhe dann regelmäßig geschnürt. Während meines Medizinstudiums, war das Laufen der perfekte Ausgleich für mich. Ich habe immer schon viel Bewegung gebraucht und im besten Fall draußen in der schönen Natur. Erst nachdem ich mein Studium in Wien abgeschlossen hatte und einem Triathlonverein in Oberösterreich beigetreten bin, habe ich mich wieder an einem Wettkampf versucht. Ganz ohne Erfahrung, wagte ich den Start über die Sprint Distanz. Auch hier, wie viele Jahre zuvor bei meinem ersten Laufbewerb, war mein erster Versuch gleich ein voller Erfolg und ich konnte mir den Gesamtsieg holen. Seither trainiere ich mit einem eigenen Trainer. Ich möchte zumindest mit der nationalen Spitze des Triathlonsports mithalten können. Laufbewerbe mache ich nebenbei.

Hdl: Was waren deine bisher größten läuferischen Erfolge?

Anna: Seit ich mit den Triathlonwettkämpfen begonnen habe, bin ich auch wieder bei einigen Laufbewerben mitgelaufen. Jedoch nur mehr aus dem Triathlontraining heraus und ohne mich gezielt auf einen Lauf vorzubereiten. Triathlontraining und das Laufen im Triathlon haben oberste Priorität. Trotzdem ist das Laufen immer meine Stärke gewesen und so konnte ich beispielsweise Vize-Landesmeisterin über 5000 Meter auf der Bahn werden – und mir einige Gesamtsiege bei diversen Volksläufen erlaufen (u. a beim „City Night Run“ in Linz 2016 und 2018, beim Linzer Business-Lauf, beim Welser Powerrun usw…).

Hdl: Deine große Liebe ist also der Triathlon. Welche Erfolge konntest du hier national schon feiern?

Anna: Ich konnte diverse Bewerbe über die Sprint- und Olympische-Distanz für mich entscheiden, und mir einige Landesmeistertitel sichern. 2017 wurde ich auch Vize- Staatsmeisterin, bzw. Landesmeisterin über die Mitteldistanz. Beim Ironman in Zell am See konnte ich 2016 und 2017 als beste Österreicherin über die Ziellinie laufen.

Hdl: Aber auch international bist du nicht zu stoppen! Was waren hier deine Highlights?

Anna: Ich habe 2016 (Lissabon) und 2017 (Düsseldorf) bei den „Age Group Europameisterschaften“ über die Sprint Distanz teilgenommen. Ich wurde in beiden Jahren tatsächlich Europameisterin! Über die olympische Distanz wurde ich 2017 Vize Europameisterin. Weiters bin ich Ende 2017 Gesamtsiegerin des Ironman 70.3 in Pula, Kroatien, geworden. Für mich zählen auch meine Erfolge beim Ironman 70.3 in Zell am See zu den Internationalen, da hier das Starterfeld sehr gut besetzt ist.

Hdl: Wenn du dich auf deine Jahres-Highlights vorbereitest, wie viel Zeit investierst du pro Woche in Sport?

Anna: Das ist relativ unterschiedlich. Es kommt vor allem darauf an, auf welche Distanz ich mich vorbereite. In den letzten zwei Jahren habe ich mich auf Mitteldistanzen spezialisiert. Da war der Trainingsumfang von vornherein etwas größer als die Jahre davor. Da ich jedoch als Ärztin einen fordernden Job habe – inklusive 25 Stunden Schichten – und Regeneration ein sehr wichtiger und häufig unterschätzter Bestandteil eines erfolgreichen Trainingskonzeptes ist, habe ich höchstens 20 Stunden in der Woche trainiert. Im Sommer, wo beinahe jedes zweite Wochenende ein Bewerb ansteht, kommt auch nicht mehr so viel Umfang zusammen, da die Erholung zwischen den Bewerben wichtig ist und Bewerbe ja an sich schon ein großartiges Training sind. Der Grundstein für die Saison wird also immer eher im Winter und im Frühling gelegt.

Hdl: Du lebst in Stadl-Paura in Oberösterreich, wie sind dort deine Trainingsmöglichkeiten?

Anna: Ich kann mich nicht beklagen. Ich wohne erst seit Oktober 2018 in Stadl- Paura. Es gibt viele wunderschöne Radstrecken in alle vier Himmelsrichtungen. Die Straßen sind in Österreich überall perfekt zum Rennradfahren. In der Umgebung finde ich alles was ich zum Rad-Training brauche: Berge, leichte Anstiege, aber auch einige flache Strecken um richtig Tempo zu machen. Auch was Laufstrecken betrifft, leben wir hier im Paradies. Als ich noch in Wels gewohnt habe, musste ich die meisten Trainings vor der Haustüre auf hartem Asphalt absolvieren. Hier ist das anders. Ich habe immer die Wahl zwischen Asphalt, gut befestigten Trails und auch etwas fordernden Strecken durch den Wald. Auch Hügelläufe sind möglich. Nur für richtige Bergläufe müsste ich ein Stückchen weit mit dem Auto fahren. Um noch zur dritten Disziplin des Triathlons, dem Schwimmen, zu kommen: Auch hier ist alles da was man braucht. Im letzten Jahr bin ich einige Male mit meinen Vereinskollegen die Traun auf- und wieder abwärts geschwommen. Es gibt auch ein Freibad mit einem 25 Meter Becken, welches ca. 15 Gehminuten von unserem Haus entfernt ist, sowie Badeseen in der Nähe. Im Winter trainiere ich jedoch nach wie vor mit meinem Verein in Wels und in Linz – auf der Gugl – mit meinem Trainer.

Hdl: Leider wurdest du oft von Verletzungen gestoppt, welche waren das genau?

Anna: 2012 erlitt ich einen Ermüdungsbruch im rechten Schienbein. Das war die erste Verletzung, die ich mir in zehn Jahren Laufsport zugezogen habe. Zuvor kannte ich nicht einmal einen Muskelkater vom Laufen. In der Zeit, wo ich nicht Laufen konnte, habe ich damals das Schwimmen gelernt und bin viele Stunden auf meinem Rennrad gesessen. Ohne diese Verletzung wäre ich also nie zum Triathlon gekommen. Anfang 2017 war ich dann leider in einen Autounfall verwickelt. Das hatte multiple Rippenprellungen und eine Verletzung in der Hüfte zur Folge. Ich habe in diesem Jahr viel Physiotherapie benötigt um wieder in Form zu kommen, konnte jedoch schlussendlich mit vielen richtig guten Wettkampfergebnissen aufzeigen. Ende 2017 sind mir Schmerzen im Vorfuß aufgefallen – diese haben mir beinahe die gesamte Saison 2018 gekostet. Es handelte sich wieder um einen Ermüdungsbruch, welcher viele Monate zum Ausheilen benötigte. Allerdings bin ich 2018 schwanger geworden – also man sieht, alles hat auch eine positive Seite!

Hdl: Das ganze Jahr 2018 konntest du also nicht laufen und hast in dieser Zeit ein Haus gebaut und deinen Freund Daniel geheiratet – also die Zeit sinnvoll genutzt. 😉 Jetzt bist du im im 8. Monat schwanger und konntest u. a einen Lauf in Wels gewinnen. Wie passen Leistungssport und die Schwangerschaft zusammen?

Anna: Zunächst war ich sehr vorsichtig. Ich hatte in der Vergangenheit leider eine Fehlgeburt in der Frühschwangerschaft und war daher etwas verunsichert, was den Sport betrifft. Bedauerlicherweise gibt es auch sehr wenig Literatur und Erfahrungsberichte über Leistungssport in der Schwangerschaft. Ich habe mich daher bei Kolleginnen aus dem Leistungssport, welche selbst Mütter sind, persönlich schlau gemacht. Die Empfehlung, die ich bekam, war von allen dieselbe und wäre auch genau die, die ich jetzt an alle weitergeben würde: Sie ist ganz simpel: Einfach auf den eigenen Körper hören! Erst habe ich gedacht, dass dies eher schwierig werden würde. Als Triathletin kennt man seinen Körper zwar gut, jedoch besitzt man auch die Fähigkeit über einige Wehwehchen hinwegzusehen. Schließlich braucht man eine gewisse Leidensfähigkeit um überhaupt harte Trainingseinheiten und Wettkämpfe durchzuhalten. Aber, es war nicht schwierig. Denn die Schwangerschaft zeigt einem sehr schnell Grenzen auf. Die Untersuchungen bei meiner Frauenärztin waren immer sehr zufrieden stellend, also alles kein Problem. Als mein Mann im Frühling bei zwei Laufbewerben in unserer Umgebung gestartet ist, bin ich einfach mitgekommen und habe auch daran teilgenommen. Ich konnte einen Bewerb davon sogar mit gutem Abstand gewinnen und beim anderen hinter unseren heimischen Spitzen- Läuferinnen aufs Podest steigen. Ich musste jedoch auch eine neunwöchige Laufpause einlegen, da es sich mein Baby auf meinem Ischias-Nerv bequem machte, was mit höllischen Schmerzen im Gesäß und Rücken einherging und ich in dieser Zeit nicht einmal richtig gehen konnte. Mittlerweile ist jedoch alles wieder gut und ich laufe auch wieder gelegentlich gemütlich kurze Strecken. Ich denke Bewegung an der frischen Luft ist für jede schwangere Frau wichtig. Zum Einen um sich wohlzufühlen und um von diversen schwangerschaftsbedingten Wehwehchen abzulenken – und zum Anderen ist Sport sowohl für die Mutter als auch für das Ungeborene gesund und sollte angeblich die Geburt bzw. die Erholung davon erleichtern. Ich bin gespannt und auch sehr motiviert was den Trainings-Wiederaufbau nach der Geburt anbelangt.

Hdl: Dein Mann ist ebenfalls ein begeisterter Sportler, ich nehme an euer Haus hat einen Fitnessraum?

Anna:? Wir hatten bis vor kurzem tatsächlich einen Fitnessraum. Darin fanden sich mein Zeitfahrrad auf der Walze, Zugseile, Gewichte, Wackelbrett, Blackroll, Gymnastikball und vieles mehr. Dieser Raum ist jetzt jedoch zum Kinderzimmer umfunktioniert worden. Platz für einen eigenen Fitnessraum haben wir leider nicht mehr, aber mein Rad ist jetzt einfach im Vorraum aufgebaut und herumgeturnt wird bei uns sowieso meist im Wohnzimmer. Das ist kommunikativer?

Hdl: Jetzt wartet eine schöne und spannende Zeit auf euch. Hast du schon konkrete Pläne wie es sportlich nach der Babypause weitergeht?

Anna: Das ist schwer zu sagen. Ich möchte das alles einfach auf mich zukommen lassen, ohne mir dabei selbst viel Druck zu machen. Ich kann mir noch nicht wirklich vorstellen wie die Zeit mit Baby wird. Ich möchte diese spannende Zeit auch genießen können. Natürlich war es immer mein Ziel im Triathlonsport wieder vorne mitmischen zu können. Ob das möglich sein wird, wird sich zeigen. Wahrscheinlich werde ich zunächst wieder mehr Zeit in den Laufsport investieren. Nachdem das Laufen nach wie vor meine größte Leidenschaft ist und glücklicherweise auch mit dem geringsten zeitlichen und örtlichen Aufwand verbunden ist, scheint es mir realistisch, dass ich meinen Hauptfokus zunächst auf das Laufen legen werde. Ich freu mich schon richtig auf die neue Herausforderung.

Hdl: Letzte Frage! Was wird es? Junge oder Mädchen?

Anna: Ein Junge?

Hdl: Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für dich und deine Familie.

„Der Sport, der vor der Schwangerschaft praktiziert wurde, kann in der Schwangerschaft ohne Bedenken fortgesetzt werden.“

Die Frauenärztin von Anna Pabinger über das Laufen in der Schwangerschaft