Teil 75 (KW 47/2019): Thea Heim

Die Münchnerin Thea Heim hat Großes vor! Die 27-Jährige möchte in der Zukunft die 02:30 Stunden-Marke beim Marathon knacken. Ihr Debüt in Hamburg war mit 02:36:10 Stunden schon sehr vielversprechend. Im Helden-Interview #75 erfahren wir mehr über ihren Trainingsalltag und warum sie gerne nach Österreich kommt.

Helden des Laufsports: Hallo Thea. Wie hat bei dir alles begonnen, wann hast du dein Talent für den Laufsport entdeckt?

Thea: Ich habe schon sehr früh viele Sportarten gemacht. Zunächst Fußball, Judo und Langlauf. Mit 12 Jahren war ich dann im Langlaufkader. Im Zuge dessen habe ich auch Laufwettkämpfe gemacht. Aber um dies weiter leistungsmäßig machen zu können, hätte ich auf ein Wintersportgymnasium gehen müssen. Das wollte ich nicht und deshalb habe ich mit dem Leistungssport aufgehört. Mein jetziger Coach hat mich dann überredet in sein „Talentteam“ zu kommen, wo er viele junge Läuferinnen und Läufer trainierte. So habe ich dann mit 16 Jahren meine Laufsportkarriere begonnen.

Hdl: Kommen wir gleich zum Marathon, der Königsdisziplin des Laufsports. Deine Bestzeit liegt hier bei 02:36:10 Stunden. Wie hast du diesen Tag und den Lauf in Erinnerung?

Thea: Für mich war es ein besonderer Tag in meiner Laufkarriere. Zu Beginn, 2009, hätte ich mir nie träumen lassen, dass ich mal Marathon laufe. Aber mein Coach meinte schon immer, dass ich langfristig das größte Potential auf der Langstrecke habe. Hamburg selbst war ein tolles Erlebnis. Auch wenn die Bedingungen sehr schwierig waren. Acht Grad und starker Regen machten es von Anfang bis zum Ende nicht gerade leicht. Aber der Zieldurchlauf war ein Höhepunkt meiner Laufkarriere. Und auch mit der Zeit war ich sehr zufrieden, da es fast eine Punktlandung war. Unsere angestrebte Zeit war 02:35:40 Stunden.

Hdl: Du bist mehrfache deutsche Meisterin. Egal ob Bahn oder Straße, welche waren deine größten Meisterschaftserfolge?

Thea: Mein erster Deutscher Meistertitel in der U23 über 1500m (2013) war sicher ein sehr schöner Erfolg, weil damals niemand mit mir rechnete. Aber eigentlich war meine erste DM-Einzel-Medaille bei den Frauen mit Bronze über 800 Meter (2014 in Ulm) eines meiner Highlights, zumal ich nur wenige Wochen vorher den DM-Titel (U 23) über 10.000 Meter geholt hatte. Aber auch die Einzel-Vizemeisterschaft in diesem Jahr über die Halbmarathon-Distanz und der Titel mit der Mannschaft in Freiburg waren ein Highlight. Einfach auch weil ich damit, sowohl über 800 Meter als auch über den Halbmarathon, eine Medaille bei Deutschen Meisterschaften geholt habe. Eine Kombination, die es wohl noch nie gab.

Hdl: Welche Laufhighlights gab es noch?

Thea: Ich laufe generell gerne Wettkämpfe. Und da hatte und habe ich viele tolle Erlebnisse. Besonders war sicher der erste Start im Nationaltrikot und beim Diamonds League Meeting in Zürich (Letzigrund) über die 800 Meter. Das war 2014. Vor allem auch die Siege bei internationalen Läufen sind immer sehr schöne Erlebnisse gewesen. Die Halbmarathons in Jönköping/SWE, der „Gardatrentino“ Halbmarathon und vor allem in den letzten Wochen die Siege in Kiel („Kiellauf“) und in Graz, weil da eine ganz besondere Stimmung herrschte.

Hdl: Eine der besten deutschen Läuferin hat natürlich dementsprechende gute Bestzeiten vorzuweisen. 800 Meter läufst du in 2:03,12 Minuten und den Marathon, wie schon erwähnt, in 02:36:10 Stunden. Gibt es auch Lieblingsbestzeiten?

Thea: Nein, eigentlich nicht. Ich denke ich habe eine sehr gute Bandbreite, was auch meine PB’s über 800 Meter bis hin zum Marathon zeigen. Das war uns im Training auch immer wichtig. Meine Lieblingsstrecke waren lange die 1500 Meter, obwohl ich hier sicher nicht – im Vergleich zu den anderen PB’s – die beste Zeit stehen habe.

Hdl: Du bist Mitglied der bärenstarke Trainingsgruppe des LG Regensburg. Wie oft trainierst du dort und wer ist dein Trainer?

Thea: Ich starte seit 2013 für die LG TELIS FINANZ Regensburg. Aber ich bin nie in Regensburg zum Training. Ich trainiere seit zehn Jahren bei Norman Feiler, der mich sozusagen entdeckt hat und mir auch zum Wechsel nach Regensburg geraten hat. Ich trainiere ausschließlich nach den Plänen von meinem Trainer. Wir bilden sozusagen in München eine eigene Gruppe, die relativ laufstark ist. Aber bei Meisterschaften ist es toll, ein Team zu haben und einen Verein im Rücken zu wissen, der alles immer perfekt organisiert. Manch Deutscher Meistertitel im Team wurde dadurch möglich. Es gibt einige Athleten, die nicht direkt in Regensburg trainieren, aber bei Meisterschaften kommen dann alle zusammen, was immer sehr motivierend ist und viel Spaß macht.

Hdl: Du lebst in München, wo läufst du dort am liebsten?

Thea: In München gibt es meist nur flache Strecken. Aus Zeitgründen laufe ich somit oft im Englischen Garten. Am liebsten laufe ich allerdings im Münchner Umland, vor allem in der Gegend von Bad Tölz, was aus beruflichen Gründen, wenn überhaupt, nur am Wochenende möglich ist.

Hdl: Wie sieht ein normaler Trainingstag bei dir aus und wie viel Stunden trainierst du pro Woche?

Thea: Ich stehe zwei bis drei Mal unter der Woche um 05.00 Uhr/05.30 Uhr auf und absolviere eine Einheit am Morgen. Dann frühstücken und um ca. 08.00 Uhr geht es in die Arbeit. (ich arbeite als IT-Projektleiterin bei einer großen Deutschen Versicherung). Gegen 17.30 Uhr/18.00 Uhr bin ich dann zu Hause und absolviere meine Abendeinheit und um 20.00 Uhr/20.30 Uhr gibt es noch Abendessen. Schlafenszeit ist so gegen 22.30 Uhr. Die Stundenzahl in der Woche variiert sehr. Aber in „Peak-Wochen“ sind es schon 20 bis 25 Stunden.

Hdl: Bei so viel Training, bleibt da noch Zeit für einen Beruf?

Thea: Die Frage sollte man vielleicht umgekehrt formulieren. Bleibt bei einer (mindestens) 40 Stunden Arbeitswoche noch Zeit fürs Training? Ich bin sozusagen „the working one“ unter den Leistungsläuferinnen. Mir ist meine berufliche Zukunft sehr wichtig, genau wie mein Laufen. Dank meinem Team kann ich beide Bereiche ganz gut miteinander vereinbaren. Aber ich habe sozusagen zwei Jobs, wobei ich nur mit dem einen wirklich Geld verdiene. Der andere, das Laufen, ist eine Leidenschaft, die mir auch als Ausgleich zum Beruf dient.

Hdl: Welche sportlichen Ziele hast du für die Zukunft?

Thea: Ich möchte mich läuferisch weiterentwickeln, gesund bleiben und möglichst viele tolle Lauferlebnisse haben. Ein großes Ziel ist alle großen Stadtmarathons zu laufen (Hamburg, Frankfurt, Berlin, Amsterdam, Rotterdam, Chicago, Boston, New York, Tokio, etc). Und natürlich die 02:30 Studen-Marke zu knacken.

Hdl: Welche Hobbys, außer dem Sport, hast du noch?

Thea: Beruf und Sport nehmen natürlich schon sehr viel Raum ein. Aber ich liebe es in Cafes zu gehen. Kaffee, Eis und Waffeln sind eine große Liebe von mir – Reisen eine weitere Leidenschaft. Beides kann ich gut mit dem Sport verbinden. Auch deshalb fahre ich immer gerne nach Österreich zu Rennen. Die Kaffeehauskultur dort liebe ich sehr.

Hdl: Danke für das Gespräch!