Interview, HDL, Helden des Laufsports, Ursula Hofstätter

Teil 22 (KW 48/2018): Ursula Hofstötter

„Ich laufe weil ich das Leben liebe und das Leben einfach zu schön ist!“ Dieser Satz stammt von der 48-Jährigen Ursula Hofstötter aus Unterdürnbach/ Weinviertel. Der Kampf gegen den Krebs hat ihr Leben geprägt, der Laufsport hat ihr in dieser schweren Zeit sehr geholfen. Ein sehr ausführliches Helden-Interview mit einer sehr starken Frau.

Helden des Laufsports: Gut für Körper und Geist! Laufen kann in schwierigen Situationen helfen. Kaum eine Geschichte bestätigt dies mehr wie deine. Bitte erzähl uns deine Leidensgeschichte.

Ursula: Am 09.08.2010 veränderte sich mein Leben mit einem Schlag. Diagnose Brustkrebs! Tripple negatives Mammakarzinom ist eine aggressivste Art von Brustkrebs. Diese Diagnose hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen. Krebs? Ich? Sterben? Furchtbare Wörter. Doch es gab viele Gründe für mich zu kämpfen. Ich hatte meinen Mann erst Anfang 2010 kennengelernt, mein Sohn erzählte mir dass ich Oma werden würde und meine Familie natürlich. Da begann ich zu kämpfen. Ich hatte zwölf Chemos im Abstand von zwei Wochen, 33 Bestrahlungen und sobald ich dazwischen wieder Kraft hatte zog ich meine Laufschuhe an und lief. Das Laufen war für mich in dieser Zeit wie eine Therapie. Viele Tränen flossen, viele Gedanken kreisten und wurden dann doch leichter. Ich wusste wenn ich laufe und ich Schritt für Schritt mache bin ich noch am Leben. Nach der dritten Chemo bin ich am Krebsforschungslauf in Wien noch 16 Kilometer für die Forschung gelaufen! Ab der vierten Chemo wurde es immer schwieriger, die Strecken wurden kürzer und das Tempo immer langsamer. Ab der neunten Chemo war ich zu schwach zum aufzustehen. Ich wollte aufgeben, einfach sterben doch zum Glück hatte ich meine ganze Familie und Freunde hinter mir die immer wieder auf mich einredeten.

Hdl: Wie ging es weiter?

Ursula: Ende Mai 2011 war ich mit meinen Therapien fertig. Der Kampfgeist kam zurück, es dauerte einige Zeit und ich lief wieder regelmäßig! 2015 dann der nächste Rückschlag. Die Gebärmutter musste entfernt werden. 2016 folgte ein Gentest und natürlich bin ich dabei! BRCA 2! Das heißt ich trage eine Genmutation in mir die Brustkrebs und Eierstockkrebs zu hoher Wahrscheinlichkeit auslöst. Naja, hatte ich ja schon erlebt! Im Juli 2017 kamen dann die Eierstöcke weg und im Dezember wurde die Brust amputiert und in kleinen Schritten wieder aufgebaut. Meine erste Frage nach all diesen Operationen war, wann kann ich wieder laufen? Das Laufen in der Natur hat mich in dieser Zeit immer wieder aus meiner Geschichte herausgerissen. Wenn ich laufen konnte ging es mir besser und ich konnte Kraft sammeln für all das was mir noch bevorstand!

Hdl: Wie hat sich dein Leben dadurch im Laufe der Jahre verändert?

Ursula: Ich lebe bewusster, probiere mich gesund zu ernähren, nehme mir die Zeit für mich und meinen Sport! Ich sehe manche Dinge nicht mehr so eng, freue mich über Kleinigkeiten die früher selbstverständlich waren. Freue mich wenn ich die Natur im Laufe des Jahres, vor allem beim Laufen, beobachten kann und sehe die Welt um mich bewusster und bin einfach dankbar noch da sein zu dürfen!

Hdl: Wenn man deine Lebensgeschichte so liest geraten Zeiten natürlich völlig in den Hintergrund. Hast du trotzdem eine Bestzeit auf die du besonders stolz bist und was bedeutet das Laufen generell für dich?

Ursula: Urstolz bin ich auf meinen ersten Marathon in Linz. Diesen bin ich 2015 , als kleine Revanche dem Krebs gegenüber, in einer Zeit von 4:25:32 Stunden gelaufen. Nicht megaschnell aber für mich der emotionalste Lauf überhaupt und nach fünf Jahren ohne Krebs war das für mich der allerschönste Sieg über meine Krankheit! Besonders stolz bin ich auch auf meine fünf Kilometer-Bestzeit (22:42 Minuten) aus dem Jahr 2015, gelaufen beim „Vienna Night Run“. Ich weiß bis heute nicht wie ich das geschafft habe. Laufen bedeutet für mich leben, atmen, fühlen, spüren und ich bin einfach nur dankbar, dass ich laufen kann!

Hdl: Wie oft schnürst du aktuell pro Woche die Laufschuhe?

Ursula: Ich laufe viermal pro Woche zwischen 40 und 50 Kilometer.

Hdl: Du wohnst in Unterdürnbach. Hast du dort eine Lieblingslaufstrecke?

Ursula: Meine absolute Lieblingstrecke ist meine Manhartsbergrunde die hat eine Länge von 15 bis 20 Kilometer. Es geht zwar bergauf zwischen den Weinbergen in den Wald hinauf, aber im Wald selber ist es dann relativ flach und ich kann je nach Lust und Laune die Strecke verkürzen oder ausweiten. Ich probiere aber immer wieder neue Wege aus und entdecke so immer wieder ein neues schönes Stück meiner Heimat.

Hdl: Welche deiner absolvierten Wettkämpfe sind dir am positivsten in Erinnerung geblieben?

Ursula: Am positivsten waren immer die Wettkämpfe bei denen ich unbeschwert reingegangen bin. Nach dem Motto schauen wir mal was das heute wird, die Zeit ist ja eh egal! Das waren dann immer meine Bestzeiten. Natürlich auch der Marathon und dann der 62 Kilometer Abenteuerlauf, da bin ich vorher maximal die Halbmarathon-Distanz gelaufen und ich war dann echt überwältigt was ich so alles schaffen kann!

Hdl: Mit dem New York Marathon hast du noch ein großes Ziel offen. Wann soll es soweit sein und was nimmst du dir vor?

Ursula: 2020 möchte ich in New York starten. 2010 zu meinem 40iger hat mir der „Krebs“ New York vermasselt. 2020 zu meinem 50iger möchte ich Revanche ausüben und der Krankheit zeigen dass ich stark und noch immer da bin! Zeit soll da überhaupt keine Rolle spielen, ich will laufend mit einem Lächeln ins Ziel kommen!

Hdl: Was hast du, außer dem Sport, noch für Hobbys?

Ursula: Reisen! Am liebsten ein paarmal im Jahr nach Griechenland oder diverse Städtetrips ( immer die Laufschuhe im Gebäck), Musicals oder Konzerte, shoppen ( eh klar welche Frau macht das nicht gern), Freundinnen treffen und Kino.

Hdl: Wie viel Paar Laufschuhe hast du im Schrank und hast du eine Lieblingsmarke?

Ursula: Ich hab acht Paar Laufschuhe im Schrank. Zuerst war ich totaler Asics Fan aber nach einer Laufbandanalyse bin ich jetzt auf Brooks umgestiegen und sehr zufrieden damit.

Hdl: Du bist Winzerin, eher ein seltener Job. Wie sieht der Job des Winzers aus?

Ursula: Ich bin erst seit 2010 Winzerin, seit dem ich meinen Mann kennengelernt habe. Meinen alten Job wollte ich nach der Krankheit nicht mehr machen und mein Mann hat mich zuhause gebraucht! Wir sind ein Familienbetrieb mit sieben Hektar Weingärten und 40 Hektar Ackerbau. Bei uns beginnt die Arbeit im Jänner mit dem Rebschnitt und endet im Dezember beim Abfüllen der Weine. Wir sind zu jeder Jahreszeit draußen in der Natur und arbeiten mit der Natur! Seit meiner Krankheit genieße ich dieses arbeiten im Freien umso mehr, sei es im Winter das zurückschneiden der Reben oder das durchschauen der Weingärten ob die Weinstöcke befestigt gehören. Genauso ob kaputte Pflanzen ausgetauscht werden müssen oder auch die Laubarbeiten die schon im Frühling mit dem reinstecken der Triebe in die Drähte beginnen. Bis zu der Ernte gibt es sehr viele händische Arbeiten im Weingarten. Nach der Ernte beginnen die Kellerarbeiten. Vom Pressen der Trauben bis zum fertigen Wein sind wieder viele Arbeitsschritte notwendig. Wir haben auch Flaschenweinverkauf und diese liefern wir auch in regelmäßigen Abständen aus. Das ganze Jahr ist sehr viel zu tun aber immer wenn ich den Kreislauf der Natur aufs neue verfolgen kann und jedes Mal beeindruckt bin wie die Pflanzen wachsen und gedeihen, dann weiß ich das ich einen der schönsten Jobs der Welt habe!

Hdl: Danke für das Gespräch und alles, alles erdenklich Gute für die Zukunft!

3 Antworten auf „Teil 22 (KW 48/2018): Ursula Hofstötter“

  1. Liebe Ursula, bei deinem Bericht war ich zu Tränen gerührt. Ich bewundere dich so sehr, du bist eine Kämpferin. Bin sehr froh dich zu kennen und mit dir zu laufen. Ich wünsche dir weiterhin alles Gute, vorallem Gesundheit und du rockst 2020 New York. LG Beate

  2. Hallo liebe Ursi!!

    Es ist wirklich rührend und beeindruckend, deine schwere Lebensgeschichte zu lesen!
    Es ist so bewundernswert, wie du dich wieder ins blühende Leben zurück gekämpft hast!
    Mit welcher Freude du läufst und von deiner Arbeit erzählst!
    Ich bin sehr froh, dass ich dich als Freundin haben darf!!
    Ursi ich wünsche dir von ganzen Herzen, dass du gesund und mit Vollgas dein Leben genießen kannst und wir mit dir noch viele schöne Urlaube erleben dürfen!
    Bleib wie du bist du strake Powerfrau!

    Liebe Grüße (Bussi)
    Pezi

  3. Liebe Ursi, du bist so eine Wahnsinns starke Frau mit so einer Energie das ist bewundernswert 💪🏻 Lebe dein Leben und genieße jeden Moment 💙 wünsche dir weiterhin Kraft, Mut, Liebe und Energie all die Dinge zu machen die Dir am Herzen liegen 😘
    Drück dich, Bussi 🙋🏼

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