Viktor Röthlin: “Lockerheit führte mich zum Rekord“

Von: Mario Friedl. Ein Beitrag aus der Reihe: “Was geschah am …?”

17.02.2008:

Viktor Röthlin lief im Jahr 2008 im Rahmen des Tokio Marathons einen neuen Schweizer Rekord*. Wie er den Tag erlebte, sich darauf vorbereitete und was der 46-Jährige heute macht, könnt ihr im Interview nachlesen.

Foto: ©Viktor Röthlin

Helden des Laufsports: Wie hast du das Rennen von damals in Erinnerung?

Viktor Röthlin: Dieses Rennen war der absolute Wahnsinn. Von Anfang an lief ich in einem Flow und spürte praktisch keine Ermüdung. Als ich hinten raus auf das Tempo drückte, konnte mir keiner mehr folgen und ich lief völlig in Trance dem Ziel entgegen. Auf die Uhr blickte ich nur am Anfang des Rennens und realisierte daher erst auf der Zielgerade, was für eine unglaubliche Zeit ich da gerade lief.

Wie waren im Vorfeld deine Erwartungen, hast du mit einem Rekord gerechnet?

Die Vorbereitungen waren schwierig. Wie all die Jahre, wollte ich mich während der kalten Jahreszeit in der Schweiz in Kenia auf die Saison vorbereiten. Da nach den Präsidentschaftswahlen Unruhen ausbrachen, musste ich Kenia schon nach wenigen Tagen meiner Ankunft wieder fluchtartig verlassen. Denn größten Teil meiner Vorbereitung absolvierte ich daher zu Hause in der Schweiz und ohne starke Trainingspartner. Von dem her reiste ich auch nicht mit allzu großen Erwartungen nach Tokio. Aber scheinbar führte mich genau diese Lockerheit zum Erfolg.

Hat sich dein Leben danach verändert?

Nein, mein Leben hat sich danach nicht verändert. Ich lief ja bereits 2001 meinen ersten Schweizerrekord im Marathon, verbesserte diesen dann mehrmals hintereinander.

Wie intensiv hast du dich damals vorbereitet?

Im Training ging ich schon ziemlich stark an meine Grenzen. Ohne meine kenianischen Trainingspartner quälte ich mich aber sicherlich nie so stark, wie in den anderen Jahren, in denen ich in mit meiner Gruppe trainieren konnte.

Was kam danach noch?

Das absolute Karrierehighlight! Der olympische Marathon in Beijing. Dort lief ich das Rennen meines Lebens. Im lief den bis dato schnellsten Olympiamarathon der Geschichte, liefen vor mir nur Afrikaner ins Ziel. Zur Bronzemedaille fehlten nur 200 Meter, darum war ich im Ziel zuerst nicht ganz sicher ob ich mich freuen soll. Im Nachhinein war dies aber mein absolut bestes Rennen. Aber natürlich war es auch hart zu akzeptieren, dass ich mit meiner Zeit in all den Jahren davor auf dem Podest gestanden hätte.

Wann hast du deine Karriere beendet und was machst du heute?

Meinen Karriereabschluss feierte ich bei der Heim-EM mit einem feinen fünften Platz. Dank einer genialen Teamleistung gewannen wir in der Teamwertung sogar die Bronze-Medaille. Diese komplementierte meinen gesamten Medaillensatz an Europameisterschaften. Bereits 2008 habe ich meine eigene kleine Firma www.vikmotion.ch gegründet. Zusammen mit zwei Mitarbeitern bieten wir Laufreisen und Workshops an und organisieren verschiedene Ausdauersportevents. Unter anderem den SWITZERLAND MARAHTON light mit 5-km, 10-km und Halbmarathonstrecke. Alle Infos dazu findet man unter www.marathon.ch. Weiter arbeite ich als Running Experte beim größten Schweizer-Sportretailer, www.ochsnersport.ch, und bin dort verantwortlich für die gesamte Runningkompetenz. Dabei habe ich in all den 83 Filialen eine dynamische Fuss- und Laufanalyse eingeführt. Sowie schweizweit 14 RunningLabs by Viktor Röthlin mit Kraftmessplatte eröffnet. Privat bin ich verheiratet mit Renate und wir haben zwei Kinder, Luna und Ben, beide im Primarschulalter.

Alle Erfolge von Viktor Röthlin findet ihr hier.

*Tadesse Abraham knackte den Rekord im Jahr 2016 mit 02:06:40 Stunden.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.