Andreas Vojta: “Darum ernähre ich mich vegan”

Andreas Vojta (team2012.at) ist seit Jahren der beständigste und beste Mittelstreckenläufer Österreichs. 2020 konnte der Olympiateilnehmer von London 2012 seine 5000-m-Bestzeit auf 13:24 Minuten verbessern. Seit 2018 ernährt sich der 31-Jährige vegan. Im Interview spricht der Niederösterreicher über seine Essgewohnheiten und auch darüber, wie sein Trainer auf die Ernährungsumstellung reagierte.

Foto: ©Wikipedia

Wann und warum hast du dich dafür entschieden, auf vegane Ernährung umzusteigen?

Andreas Vojta: Das hatte ethische und ökologische Gründe. Ab 2016 habe ich mich vegetarisch ernährt. Ich konnte es einfach nicht mehr mit mir vereinbaren, was hier den Tieren angetan wird. Danach habe ich mich sehr intensiv mit dem Thema Ernährung beschäftigt und festgestellt, dass die Produktion von Milchprodukten und Eiern genauso schlimm ist, wenn nicht sogar schlimmer. Seit Mai 2018 ernähre ich mich daher ausschließlich pflanzlich.

Was meinst du genau, wenn du sagst, noch schlimmer?

Wenn man sich damit genauer beschäftigt, sieht man, dass die Tiere nur benutzt werden. Für die Milchproduktion werden die Kühe künstlich geschwängert. Wenn das kleine Rind dann männlich ist, wird es einfach getötet. Dasselbe gilt für die Produktion von Eiern. Ein männliches Kücken kann eben keine Eier legen, und nach dem Schlüpfen wird es einfach geschreddert oder vergast! Darum vegan!

Du bist erfolgreicher Leistungssportler und Veganer. Stimmt also der Slogan: „Fleisch bring`s“, nicht mehr? Hat man mit einer Ernährung ohne tierischer Produkte keinen Leistungsabfall?

Welche Ernährung gesund oder ungesund ist, das kann man so pauschal nicht sagen. Egal ob vegane- oder mischköstliche Ernährung, es gibt überall kritische Punkte. Man muss einfach darauf achten, welche Nährstoffe man zu sich nimmt. Ich bin auch nicht davon ausgegangen, dass es sich großartig auf meine Leistung auswirkt. Die Umstellung hatte einfach ethische Gründe. Die Wissenschaft zeigt uns aber, dass eine pflanzliche Ernährung positive Effekte haben kann. Viele Studien gibt es dazu aber noch nicht. Für mich persönlich kann ich nur sagen, dass sich meine Leistungen verbessert haben, ich auch schneller regeneriere und mich generell besser fühle. Ob es allein an meiner Ernährung liegt, kann ich so nicht sagen. Unterm Strich ist aber klar: Für gute Leistungen braucht man keine tierischen Produkte.

Was ist deine Lieblingsspeise und was isst du nach einer harten Trainingseinheit?

Eine Lieblingsspeise habe ich nicht. Ich esse aber viel und sehr gerne. Viele fühlen sich bei dem Gedanken sich vegan zu ernähren eingeschränkt, aber, wenn man sich damit beschäftigt, lernt man viele neue Lebensmittel kennen. Ich koche gerne einfach und ausgewogen und mag auch mal was Süßes. Wenn ich vom Training nach Hause fahre, gönne ich mir einen Eiweißshake, denn man sollte ja in den ersten 30 Minuten nach einer harten Einheit was zu sich nehmen.

Gibt es in Österreich viele Läden, in denen Veganer das passende Essen finden?

Eigentlich braucht man keinen besonderen Laden! Ein normaler Supermarkt reicht vollkommen.Getreide, Buchweizen, Einkorn, Hirse, Nudeln, Brot, Nüsse und co., gibt es in jedem Laden. Das ist alles lecker. Vielen ist einfach nicht bewusst, dass man auch als veganer viel Auswahl hat.

Letzte Frage: Was hat dein Trainer, Wilhelm Lilge, anfangs von deiner Ernährungsumstellung gehalten? Hatte er bedenken?

Angangs habe ich ihm das gar nicht erzählt, ist ja auch nicht so eine große Sache. Als er es aber mitbekommen hat, war er zu Beginn schon etwas skeptisch. Wie gesagt, es gibt ja auch noch nicht so viele Studien zum Thema pflanzliche Ernährung im Spitzensport. Aber weltweit ernähren sich immer mehr Sportler vegan. Für mich persönlich war die Saison 2020 einer meiner Besten! Ich konnte einige Bestzeiten laufen, von daher kann das Ganze nicht so verkehrt sein. Zwischen Willi und mir ist meine Ernährung aber kein großes Thema.

Info: Bestzeiten Andreas Vojta:

800 m: 1:46.59
1500 m: 3:36.11
Mile: 3:53.95
5000 m: 13:24.03
10,000 m: 28:30.28

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