Rekord-Läufer Weidlinger hat als Präsident viel vor

Foto: GEPA pictures/Christian Walgram

Der im Innviertel geborene vierfache Olympiateilnehmer Günther Weidlinger ist neuer Präsident des Oberösterreichischen Leichtathletikverbands. Der 42-Jährige spricht im Interview über sein neues Aufgabengebiet, und die Herausforderungen der Leichtathletik in der Corona-Krise.

Ihre Wahl zum neuen OÖLV-Präsidenten erfolgte einstimmig. Was bedeutet Ihnen diese Wahl?

Günther Weidlinger: Für mich und meine Vorstandskollegen war eine breite Zustimmung sehr wichtig, da das die Arbeit enorm erleichtert. Dass die Wahl einstimmig ausgefallen ist, war keine große Überraschung. Wir haben im Vorfeld mit vielen Vereinen gesprochen und so eine gute Basis aufgebaut. Mir war es auch wichtig, dass Mitglieder vieler verschiedener Vereine im neuen Vorstand sitzen.

Welche Ziele haben Sie sich für die dreijährige Amtsperiode gesteckt?

Wir wollen eine breite Plattform bieten und die Kommunikation unter den Vereinen stärken. Außerdem bekommen wir ein neues Leichtathletikzentrum mit internationalen Standards. Dort wollen und müssen wir viele Wettkämpfe austragen. Genauso ist es mir ein großes Anliegen, die Arbeit im Mehrkampf-Kompetenzzentrum voranzutreiben. Wir haben mit Verena Preiner, Ivona Dadic und Sarah Lagger die drei besten Mehrkämpferinnen Österreichs in Oberösterreich beheimatet, und darum wurde dieses Zentrum 2019 bei uns eröffnet. Meiner Meinung nach ist seitdem aber zu wenig passiert. Wir möchten mehr Ausbildungen für Wettkampfrichter anbieten, denn ohne Wettkampfrichter kein Wettkampf.

Wie wird Ihr neuer Arbeitstag aussehen?

Grundsätzlich wird sich mein Arbeitstag nicht wirklich verändern. Das Amt des OÖLV-Präsidenten ist ein ehrenamtliches. Das heißt, dass ich die anstehenden Arbeiten neben meinem eigentlichen Job als Mitorganisator des Linz Marathons erledigen werde. Aber ich freue mich darauf und bin sehr motiviert.

Welche speziellen Herausforderungen warten in der Corona-Krise auf Sie und die Leichtathletikwelt?

Unsere Athleten haben glücklicherweise relativ bald wieder das Training aufnehmen können. Die Saison ist sehr kurz, und die diversen Meisterschaften starten erst Ende Juli. Das bedeutet für die Organisatoren und Vereine viel Arbeit, Spontaneität und Flexibilität sind gefragt. Ab September sind wieder Veranstaltungen bis zu 10.000 Menschen erlaubt. Allerdings kann sich das in Zeiten wie diesen schnell wieder ändern. Wenn wir uns an die bestehenden Regeln halten, bin ich zuversichtlich, dass wir die Situation unter Kontrolle bekommen.

In Andorf findet im August wieder das Internationale Josko-Laufmeeting statt. Welchen Stellenwert hat diese Veranstaltung in der Leichtathletik?

Das Laufmeeting in Andorf ist vor allem für die heimische Leichtathletik extrem wichtig. Die österreichischen Athleten können sich hier mit internationalen Topstars messen und sich und ihre Sponsoren einer breiten Öffentlichkeit präsentieren. Meetings wie in Andorf sind ganz wesentlich für die Leichtathletik, da österreichische Meisterschaften leider wenig Aufmerksamkeit bekommen. Klaus Angerer leistet als Organisator eine tolle Arbeit.

Sie selbst halten in Oberösterreich noch sämtliche Laufrekorde. Begonnen hat für Sie alles in Ihrer Heimatgemeinde Neukirchen an der Enknach. Wie sind Sie zum Läufer geworden?

Als kleiner Junge habe ich viele Sportarten ausprobiert, und durch den Skiclub Neukirchen bin ich zufällig zum “Langsamlauftreff” gekommen. Laufen hat mir sofort Spaß gemacht, und ich konnte als Zehnjähriger meinen ersten Lauf in Braunau auf Anhieb gewinnen. Pokale zu gewinnen hat Spaß gemacht, und so hat sich das Ganze entwickelt. Es war nie mein Plan, Spitzensportler zu werden, es war eher ein Zufallsprodukt. Immer an meiner Seite war mein Vater. Er war bis zum Ende meiner Karriere mein Trainer.

Wer hat Ihrer Meinung nach in Oberösterreich das Potenzial, diese Rekorde zu brechen?

Der Linzer Kevin Kamenschak hat ja schon einige Jugendrekorde gebrochen. Für ihn ist es jetzt wichtig, dass er richtig weitertrainiert. Kevin ist ja gerade mal 16 Jahre alt und man muss jetzt aufpassen, dass er sich in den Jugendjahren nicht verheizt, um dann später in der allgemeinen Klasse voll angreifen zu können.

Wie viel Kontakt haben Sie noch in Ihre alte Heimat, wie oft besuchen Sie diese noch?

Da ich jetzt in Weißkirchen an der Traun meinen Lebensmittelpunkt habe, habe ich zwar noch einen guten, aber unregelmäßigen Kontakt ins Innviertel. Natürlich besuche ich meine Eltern und meine Schwester, bin aber auch noch sehr mit dem Skiclub Neukirchen verbunden. Diesem habe ich einfach sehr viel zu verdanken.

Die Olympischen Spiele in Tokio wurden in das Jahr 2021 verschoben. Sie selbst durften vier Spiele live miterleben. Was löst das Wort „Olympia“ bei einem Athleten aus?

Die Spiele sind ein absoluter Mythos. Sie finden nur alle vier Jahre statt und die große Kunst ist es hier, am Tag X in Topform zu sein. Man genießt in einem Olympiajahr sehr viel Aufmerksamkeit, das ist Fluch und Segen zu gleich. Mit diesem Druck umgehen zu können, ist nicht leicht, aber ein gutes Ergebnis bei den Spielen kann die die Karriere eines Athleten schon richtig beschleunigen. 

Originalinterview: OÖ-Nachrichten

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