Wien-Marathon-Comeback mit Aufregern: Vermeintlicher Sieger disqualifiziert

Text und Fotos: Olaf Brockmann

September 2021: Mit vielen Aufregern feierte der Vienna City Marathon nach eineinhalb Jahren Pause sein sehnsüchtig erwartetes Comeback! Erstmals in der 38-jährigen Geschichte dieses Laufklassikers musste der vermeintliche Sieger disqualifiziert werden. Derara Hurisa aus Äthiopien war als Erster in 2:09:22 ins Ziel auf dem Heldenplatz gelaufen, verlor aber seinen Sieg, da seine Schuhe gegen das Regelwerk des Weltverbandes verstoßen haben.

Staatsmeister Mistelbauer und Kosgei (Meister AK M40).

So rückte der Kenianer Leonard Langat als VCM-Sieger in 2:09:25 vor. Frauen-Siegerin wurde Vibian Chepkirui (Ken), die bei ihrer Marathon-Premiere in 2:24:29 gewann. Beide hatten eine Anreise mit großen Hindernissen. Sie hatten – von Nairobi kommend – in Doha den Anschluss verpasst und verbrachten 24 Stunden auf dem Flughafen – meist auf dem Boden schlafend. Trotz dieser Strapazen gewannen sie in Wien.

Schuhsohle zu hoch

Derara Hurisa wurde nach dem Rennen nachgewiesen, dass seine Schuhe nicht regelkonform waren. Erlaubt ist eine Schuhsohle von 40 mm, er aber lief mit einem Trainingsschuh, der eine Sohle von 50 mm aufwies. Das war ein klarer Verstoß gegen die seit einem Jahr gültige Regel. „Die Disqualifikation hätten wir uns gerne erspart, aber Regeln sind Regeln“, meinte Rennleiter Hannes Langer, „der Läufer oder sein Management hatten einen korrekten Schuh in das vorgegebene Formular eingetragen. Im Ziel aber wurde festgestellt, dass er einen anderen Schuh getragen hat, der gegen das Regelwerk verstößt.“ Mit freiem Auge ist diese Differenz der Schuhsohle natürlich kaum zu erkennen. Ein Manager eines konkurrierenden Läufers hatte auf diesen Regelverstoß hingewiesen.

Derara Hurisa: Nach dem Jubel folgte die Disqualifikation.

Mistelbauer Staatsmeister

Zu einem Kuriosum kam es aus rot-weiß-roter Sicht: Martin Mistelbauer wurde als Gesamt-14. Staatsmeister in 2:29:26. Nach einer seit heuer gültigen Regel durfte Isaac Kosgei, der für die Zehnkampf-Union Linz startet, als Kenianer seinen Titel aus dem Vorjahr nicht verteidigen. Aber österreichischer Meister in der Masters-Klasse plus 40 Jahre durfte er sehr wohl werden.

So lief Isaac Kosgei in 2:25:16 als Elfter auch klar schneller als Martin Mistelbauer – dies minderte aber den bislang größten Erfolg des Wieners keinesfalls! Er holte sich im Rahmen des Vienna City Marathons seinen ersten Staatsmeistertitel. Bisher war ein sechster Platz vom Halbmarathon in Graz 2019 seine beste Einzelplatzierung. Mit seinem Verein (team2012.at) hatte er heuer auch schon den Teamtitel im Halbmarathon gewonnen. Zu seinem Wiener Sieg meinte er: „Es war heute sehr warm, sicher kein leichtes Rennen!“ Bei Kilometer 37 und 40 hatte er kurz stehen bleiben müssen, kämpfte sich aber mit Bravour ins Ziel, lag dann auch Isaac Kosgei in den Armen.

Glücklich: Martin Mistelbauer.

Eva Wutti und Andreas Stöckl

Zuvor hatten Eva Wutti in 1:16:14 und Andreas Stöckl in 1:12:14 die Rennen im Halbmarathon gewonnen. Bei den Männern hatten Rekordler Peter Herzog und Valentin Pfeil, der vor dem Ende seiner Karriere als Leistungssportler steht, den 21,1-km-Bewerb als Trainingslauf bestritten und waren in 1:12:33 gleichauf ins Ziel gelaufen, fairerweise hatten sie am Schluss Andreas Stöckl den Vortritt als Sieger gelassen.

Marathon, Männer: 1. Langat (Ken) 2:09:25, 2. Getahun (Äth) 2:09:42, 3. Edwin Kosgei (Ken) 2:10:10, 4. Kikutani (Jap) 2:10:37, 5. Kiptoo (Ken) 2:11:16, 6. Abraham (Sz) 2:12:26, 11. Isaac Kosgei (Ken) 2:25:16 (österreichischer Masters-Meister), 14. Mistelbauer (Ö) 2:29:26 (Staatsmeister); Frauen: 1. Chepkirui (Ken) 2:24:29, 2. Dinke (Äth) 2:25:31, 3. Burka (Äth) 2:25:38, 4. Schlumpf (Sz) 2:26:31, 9. Schenk (Ö) 2:46:25 (Staatsmeisterin).

Halbmarathon, Männer: 1. Stöckl 1:12:14, 2. Herzog 1:12:33, 3. Pfeil 1:12:33; Frauen: 1. Wutti (alle Ö) 1:16:14, 2. Fink (Slo) 1:16:28.

Marathon von Todesfall überschattet

Der 38. Vienna City Marathon wurde von einem Todesfall überschattet. Ein 40 Jahre alter Teilnehmer des Halbmarathons, der noch mit einem Rettungswagen ins Allgemeine Krankenhaus transportiert worden war, starb dort am frühen Nachmittag. Dies teilten die Organisatoren mit.

Der Österreicher war kurz vor dem Ziel in einem der beiden Einlaufkanäle vor dem Burgtheater zusammengebrochen. Bei den dramatischen Szenen hatte der Samariterbund die Erstversorgung übernommen. Es wurde versucht, ihn zu reanimieren und zu stabilisieren. Mit der Rettung wurde er abtransportiert.

„Wir sind sehr betroffen von diesem Fall. Unsere Anteilnahme und unser tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen des Läufers”, sagte VCM-Veranstalter Wolfgang Konrad. Weitere Details sind den Organisatoren nicht bekannt.Dies war in der Geschichte des Vienna City Marathons nach 1994 und 2019 der dritte Todesfall.

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